Silvester in den Medien – ein Jahr nach Köln

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Ich kann mich ja noch an Zeiten erinnern, da feierte man Silvester, hatte am ersten einen ordentlichen Kater und spätestens am zweiten Januar schon die erste Zigarette geraucht, obwohl man sich ja vorgenommen hatte, aufzuhören.
Dieses Jahr scheint das alles ein bisschen anders zu sein. Während medial gerade die Debatte um das Wort „Nafris“ tobt, geht es in den sozialen Medien noch an vielen kleinen Nebenschauplätzen hoch her. Lautstark wird zwischen „Gutmenschen“ und „Besorgten Bürgern“ gestritten, wie nahe Silvester 2016/2017 wohl an 2015/2016 war, wenn es um Zuwanderung und Gewalt geht. Auf welche Weise dabei versucht wird von einigen Medien Stimmung zu verbreiten ist ein Lehrstück für Medienkompetenz. Ein Beispiel, dass mir jetzt seit Silvester mehrfach begegnet ist, sind die Zustände in Dortmund. Falls der ein oder andere es noch nicht mitbekommen hat, hier ein paar Auszüge von dem, was man so in den sozialen Medien dazu lesen kann:

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Quelle: Wochenblick.at

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Quelle: Unsertitol24.com

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Quelle: Metropolico.org

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Quelle: Politikstube.com

Was soll also passiert sein? In den meisten Fällen etwa diese drei Dinge:

  • Zusammenkommen von etwa 1.000 jungen Männern, hauptsächlich wohl arabischer Herkunft
  • Angriffe auf die Polizei
  • Brand einer Kirche
  • Rufe von „Allahu Akbar“

Klingt jetzt erstmal so, als ob 1.000 junge Männer arabischer Herkunft Polizei und Kirche angreifen und dabei „Allahu Akbar“ rufen. Schaut man sich mal die größeren Medien oder noch besser die Pressemitteilungen der Polizei zu den Vorfällen an, wirkt alles eher unspektakulär.

Punkt 1 – 1.000 junge Männer, mit vermutlich arabischer Herkunft

Bei der größeren Gruppe handelte es sich nach jetzigen Erkenntnissen um circa tausend Menschen, die nicht ausschließlich aus Männern bestand sondern auch aus vielen Familien mit Kindern.
Quelle: Pressemitteilung Polizei Dortmund 01.01.2017 – 4:25 Uhr

In einer früheren Pressemitteilung war von mehreren hundert Männern die Rede, vielleicht mischten sich im Laufe der Berichte beide Meldungen?

Die Dortmunder Polizei hat im Laufe des Silvesterabends ihre ohnehin schon hohe Kräftelage noch einmal verstärkt. Grund hierfür sind mehrere hundert Männer, die sich zum Teil in Kleingruppen aber auch in größeren Gruppen am Platz von Leeds in der Dortmunder Innenstadt gesammelt haben.
Quelle: Pressemitteilung Polizei Dortmund 01.01.2017 – 0:03 Uhr

Auch in den Ruhrnachrichten finden sich diese Angaben:

Ab 23.45 Uhr versammelten sich mindestens 1000 überwiegend junge Männer am Platz von Leeds in der Dortmunder Innenstadt.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung 01.05 Uhr

Punkt 2 – Angriffe auf die Polizei

Aus dieser feiernden Gruppe [Anm.: bezogen auf Pressemitteilung 0:30] heraus wurden nach Mitternacht einzelne Feuerwerkskörper in Richtung eingesetzter Polizeibeamter und ungezielt in die Menschenmenge hinein geworfen. Diese Störungen unterbanden Polizeibeamte durch sofortiges und konsequentes Einschreiten. Personalien wurden festgestellt, Platzverweise erteilt und vereinzelt Personen in Gewahrsam genommen.

So schnell wie sich die Menschenansammlung gebildet hatte, löste sie sich auch wieder auf. Bereits vor 1 Uhr hatte sich die Menge wieder in Kleingruppen aufgeteilt über den Hauptbahnhof in unterschiedliche Richtungen begeben.
Quelle: Pressemitteilung Polizei Dortmund 01.01.2017 – 4:25 Uhr

Punkt 3 – Brand einer Kirche

In allen drei Pressemitteilungen [Abschlussmitteilung 01.01.2017 – 14:30 Uhr] der Polizei findet sich zum Brand der Kirche nichts. Schaut man in den Artikel der Ruhrnachrichten, die auch in einigen der Artikel aus den sozialen Medien verlinkt sind, findet sich folgendes:

Mit einer Drehleiter musste die Feuerwehr von der Kleppingstraße aus bis zum Dach der Kirche vorstoßen. Eine Silvesterrakete hatte dort ein Fangnetz eines Baugerüsts in Brand gesetzt. Ein kleines Feuer, das schnell gelöscht war. Vermutlich wurde die Rakete von der Kleppingstraße aus abgefeuert. Dort feierten ebenfalls viele Menschen.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung 01.05 Uhr

Während von der Menschenansammlung meist der Platz von Leeds genannt wurde, kam die Rakete vermutlich aus der Kleppingstraße. Die Kirche liegt genau dazwischen, hier nachzuschauen auf GoogleMaps.

Punkt 4 – Rufe von „Allahu Akbar“

Es gibt Videos auf denen junge Männer „Allahu Akbar“ rufen. Weder der Polizei, noch den Ruhrnachrichten war dies eine besondere Erwähnung wert. Bei letzteren findet sich lediglich:

Eine Gruppe von Syrern feierte singend den Waffenstillstand in Syrien.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung 01.05 Uhr

Soviel zu den Dingen die sich aus den Pressemitteilungen der Polizei und dem Live-Bericht der Ruhrnachten finden lässt. Was in den sozialen Medien, zumindest bei mir noch nicht aufgetaucht ist, sind Berichte über einen schwerverletzten Obdachlosen, der von einer Rakete getroffen wurde. Über die durchaus aggressive Stimmung am Hauptbahnhof an diesem Abend berichtet ein Bundespolizeisprecher:

Polizisten und Reisende erlebten dort eine „aggressive Grundstimmung“, sagte Bundespolizeisprecher Volker Stall. Verantwortlich für diese gefährlichen Aktionen seien „junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund“. Polizisten und Passanten wurden mit Pyrotechnik beworfen.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung Montag, 11.23 Uhr


Nun zum Vergleich einige Textstellen aus den obigen Artikeln:

Überall im Land haben sich Nafris zu Banden von tausenden Männern organisiert, ohne dass die Polizei dies überhaupt mitbekommen hat: Aufmarschiert sind 2.000 Nafris in Köln und Düsseldorf, knapp 500 in Essen, 1.000 in Dortmund, die aus einem aggressivem Mob »Allahu Akbar« skandierten, Polizisten mit Feuerwerkskörpern attackierten und eine Kirche in Brand schossen, dazu 1.900 Nafris allein in Frankfurt und auch aus Hagen liegen Erkenntnisse vor.
Quelle: Metropolico.org

 

Dass dadurch auch die Reinoldikirche in Dortmund in Brand geraten war, weil sie von jungen Migranten mit Raketen beschossen worden war, wurde von den Ruhrnachrichten allerdings nur beiläufig erwähnt. So hieß es im Live-Ticker weiters:

Am Platz von Leeds dauerte das Feuerwerk gut 45 Minuten, obwohl das Abbrennen von Pyrotechnik in unmittelbarer Nähe von Kirchen verboten ist. Dort steht die Reinoldikirche. Mit einer Drehleiter musste die Feuerwehr von der Kleppingstraße aus bis zum Dach der Kirche vorstoßen. Eine Silvesterrakete hatte dort ein Fangnetz eines Baugerüsts in Brand gesetzt.

Laut Angaben der Ruhrnachrichten wollte die Redaktion die Sache nicht weiter aufbauschen. Darauf war lautstarke Kritik von Internet-Nutzern laut geworden, die sich darüber beschwerten, dass ein Kirchenbrand dadurch beschönigt werde.

[…]

Zu einem weiteren Aufreger kam es wenig später, als hunderte Syrer die Silvester-Feierlichkeiten für politische Zwecke nutzten, um den syrischen Waffenstillstand zu feiern. Dabei skandierten mehrere junge Männer den islamischen Schlachtruf „Allahu akbar“.

Wie in einem Twitter-Video zu sehen ist, musste die Polizei mit geschlossenen Helmen anrücken, da die Situation als sehr gefährlich eingeschätzt wurde.

Den Ruf „Allahu akbar“ bringen sehr viele Europäer mit den schrecklichen Terror-Ereignissen von Islamisten des sogenannten Islamischen Staates in Verbindung.
Quelle: Unsertirol24.com

 

Die Polizei forderte die Menge auf, Böller und Raketen nicht in die Menschenmenge abzufeuern.“ Bei dem Mob von „mindestens 1000 überwiegend jungen Männern“ handelt es sich größtenteils um Migranten, wie auch die Fotostrecke der Ruhrnachrichten beweist. Diese hätten die Polizeikräfte gezielt mit Feuerwerkskörpern beworfen, meldet der Fernsehsender WDR.
[…]
Mit einer Drehleiter musste die Feuerwehr von der Kleppingstraße aus bis zum Dach der Kirche vorstoßen. Eine Silvesterrakete hatte dort ein Fangnetz eines Baugerüsts in Brand gesetzt.“ Die Ruhrnahrichten sind bemüht die Sache nicht zu sehr aufzubauschen: „Ein kleines Feuer, das schnell gelöscht war.“ Internet-Nutzer sind aufgebracht, kritisieren etwa: „Jedes Feuer ist anfänglich ein kleines Feuer. Dieses wird ein großes Feuer, wenn es nicht schnell gelöscht wird! Wie kann man Brandstiftung bei einer Kirche nur so beschönigen …“
[…]
Die Polizei, die bei diesen Feierlichkeiten Sicherheitsausrüstung und Helme mit geschlossenem Visier trägt, dürfte die Lage etwas anders beurteilt haben. Der Ruf „Allahu Akbar“ ist in Europa in erster Linie als Schlachtruf von Islam-Terroristen bekannt. So sollen stets die Attentäter von München, der Axt-Terrorist von Würzburg oder die Priester-Mörder von Frankreich „Allahu Akbar“ gerufen haben, bevor sie Menschen töteten.
Quelle: Wochenblick.at

 

Etwa 1000 Personen hatten sich zu diesem Zeitpunkt am „Platz von Leeds“ zwischen Brückstraße und Reinoldikirche versammelt, fast ausnahmslos junge Männer mit Migrationshintergrund aus dem arabischen bzw. nordafrikanischen Raum, wie eine Fotostrecke der „Ruhr Nachrichten“ belegt. – Diese hätten die Polizeikräfte gezielt mit Feuerwerkskörpern beworfen, meldet der Fernsehsender WDR.
[…]
Bilder zeigen, wie behelmte Polizeihundertschaften einer hektischen Situation gegenüberstehen, zahlenmäßig deutlich unterlegen. Mittendrin: Zahlreiche Syrer, welche die Fahne der Terrororganisation „Freie Syrische Armee (FSA)“ zeigen. Laut Presse feiern sie angeblich den Waffenstillstand, tatsächlich zeigt ein Video, das Journalist Peter Bandermann [Anm. hier der Link, nicht im Artikel] über seinen Twitter-Kanal veröffentlicht, jedoch die bedrohliche Lage eine aufgeheizten Menge, dicht umringt von Polizeibeamten, die nicht nur ihre Helme aufgesetzt, sondern auch die Visiere heruntergeklappt haben – mutmaßlich in Erwartung (weiterer) Angriffe. Dass die Dortmunder Reinoldikirche mit Feuerwerk beschossen wurde und die Feuerwehr eingreifen musste, wird von den Ruhrnachrichten nur beiläufig erwähnt.
Quelle: Politikstube.com

Ich lasse diese Ausführungen einfach mal so stehen, ohne im Detail darauf einzugehen. Die Originaltexte sind ja verlinkt.

[Update 04.01.2017 – 22:10 Uhr]

Gerade noch eine Darstellung gefunden:

In Dortmund brannte das Gerüst einer Kirche
In Dortmund versuchten sich rund 1000 missgelaunte Feiergäste in einer Neuauflage des Kölner Chaos von 2015. Sie lieferten sich Kämpfe mit der Polizei, Feuerwerkskörper setzten das Gerüst der Reinoldikirche in Brand, Feuerwehr und Rettungskräfte wurden behindert und der IS-Schlachtruf „Allahu akbar!“ skandiert.
Lokale Medien deuteten all das als Festfreude über den Waffenstillstand im syrischen Bürgerkrieg. Mit demselben Recht kann man sagen, dass sich rabiate Bräuche in Europa durchzusetzen beginnen und neue Mitbürger am gregorianischen Kalender rituell austesten, wem der öffentliche Raum gehört.
Quelle: Welt.de

Kampfradler aus Leidenschaft

Vielleicht liegt es daran, dass der Hashtag #fahrradalltag vor einiger Zeit für Aufsehen gesorgt hat oder der Volksentscheid für ein fahrradfreundlicheres Berlin vor der Tür steht oder einfach daran, dass gerade Sommer ist und immer mehr Berliner sich aufs Rad schwingen. Jedenfalls ist das Thema gerade einigermaßen präsent, was ich gleich mal zum Anlass nehme ein paar Zeilen dazu zu schreiben.

Ich selbst bin leidenschaftlicher Radfahrer und fahre jeden Tag etwa 25km durch die Stadt zur Arbeit und zurück. Die Geschichten die man dabei teilweise erlebt sind haarsträubend, beängstigend oder einfach nur traurig. Ein paar der schönsten will ich hier einmal festhalten, nicht zuletzt, weil 140 Zeichen meisten nicht ausreichen die Situation zu schildern. Gerade gestern war wieder einer dieser Tage, an dem sich die schönen Begebenheiten nur so aneinandergereiht haben. Manchmal überlege ich ernsthaft mir eine Bodycam zuzulegen, einfach nur, weil ein Film mehr ausdrücken kann als jeder Blogtext, aber dem gegenüberstehen Anschaffungspreis und Datenschutzbedenken, sowie ungeklärte rechtliche Fragen. Daher hier ein kurzes Erlebnisprotokoll eines etwas längeren Tages auf zwei Rädern in Berlin. Als Einleitung sei noch gesagt, dass ich versuche mich an die Verkehrsregeln zu halten, soweit es möglich ist. Das bedeutet ich halte an roten Ampeln; versuche beim Überholen (auch zu Radfahrern) den Abstand einzuhalten; überhole andere Radfahrer nur in Ausnahmesituationen rechts, quetsche mich nicht unbedingt an jeder Autoschlange rechts vorbei, wenn der Platz nicht gegeben ist; nutze verpflichtende Radwege und wenn zumutbar auch nicht verpflichtende und verfüge über komplette Beleuchtung, Bremsen, Helm und Kleidung in Signalfarben. Meine durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei etwa 25km/h, auf guten Strecken auch gerne mal zwischen 30 und 35km/h. Ich bin also durchaus im schnelleren Drittel der Radfahrer unterwegs aber nie wirklich schneller als Autofahrer.

9:30 Uhr

Mein Tag beginnt, mit einer Tour zur Kleiststraße, da ich noch etwas für ein Bastelprojekt von einem Elektronikladen brauche. Die Strecke ist etwa 16,km und führt mich von Karlshorst einmal quer durch die Innenstadt bis in die Citiy West. Am Anfang die Treskowallee runter, bis der Radweg in ein kleines Waldstück führt. Auch wenn es als Radweg ausgeschildert ist, sind hier viele Fußgänger, oft auch mit Hunden unterwegs, aber die fünf Minuten sind eigentlich mit die entspanntesten des ganzen Tages, da viele Fußgänger mit Radfahrern rechnen und der Weg weit einsehbar ist.

9:40 Uhr

Ich verlasse den Waldweg und nach 100m über Seitenstraßen stehe ich an der Kreuzung Rummelsburger Landstraße, die später zur Köpenicker Chaussee wird. Der Radwanderweg führt geradeaus, leider aber zur Fähre zum Plänterwald und das bringt mir relativ wenig.
Also nach rechts Richtung Heizkraftwerk Klingenberg. Es gibt an dieser Stelle einen Fußweg der an der Straße entlang führt. Da auf der anderen Straßenseite ein Radweg (eine Richtung) existiert, und dort eh kaum ein Mensch entlang läuft, glauben viele Autofahrer, dies wäre der offizielle Radweg. Ist es aber nicht. Kein Schild, keine Fahrbahnmarkierung, keine „Radfahrer frei“ weit und breit. Dazu kommt, dass der Weg so schmal und von umstehenden Bäumen bewachsen ist, dass man langsame Radfahrer dort sowieso nicht überholen kann und der Bordstein ist nirgendwo abgesenkt. Also auf Lücke warten und los geht’s. Diesmal habe ich Glück, nur zwei oder drei Autofahrer sind der Meinung mich mit minimalstem Abstand überholen zu müssen, auch wenn links alles frei ist. An diese „Maßregelungen“ habe ich mich inzwischen gewöhnt, auch an die Tatsache, dass dort scheinbar kaum jemand unter 70km/h fährt.

9:45 Uhr

Ich erreiche die Kreuzung Blockdammweg/Köpenicker Chaussee. Manchmal erwische ich hier noch den ein oder anderen Lehrmeister und versuche ihn zur Rede zu stellen, natürlich ohne jeglichen Erfolg, so auch heute. Prolliger Typ, laute Musik, tiefer gelegte Karre. Hört mich vermutlich eh nicht, bzw. schaut kurz gelangweilt rüber und ignoriert mich. Immerhin gibt es hier einen Radweg, zumindest theoretisch. Hinter der Kreuzung sind glorreiche 2m Platz zwischen Bauzäunen, direkt dahinter das Dixi-Klo der Bauarbeiter. Letzte Woche hatte ich erst Spaß mit einem Bauarbeiter der auf mein Klingeln konsequent auf dem Radweg stehen blieb, so dass ich anhalten musste. Vermutlich der „Reheffekt“. Der Radweg ist komplette Baustelle, aber ich nutze netterweise das „Radfahrer frei“-Schild und fahre die Holperpiste ein Stück weiter.

9:50 Uhr

Vom halbwegs nutzbaren Fußweg sind noch etwa 1m übrig und das für die etwa nächsten 500m. Ich wechsle auf die Straße, da dort weder überholen noch ausweichen möglich wäre, ohne in den Wald zu fahren oder über den Bauzaun zu springen. Als Dank werde ich noch einmal gemaßŕegelt. Da Montag morgen ist, stehen diverse Taxen vorm Sysiphos und der freigegebene Fußweg von den letzten Überbleibseln des Partyvolks besiedelt. Da diese meist in ihrer Reaktion schwer einzuschätzen sind, also weiter auf der Straße, auch mal auf die linke Spur, wenn Taxen rechts parken. Ich kann den Hass hinter mir quasi spüren und versuche mit 35km/h so schnell wie möglich zur Ampel an der Georg-Löwenstein-Straße zu kommen.

9:55 Uhr

Ich biege an der Ampel für Radfahrer links ab und fahre durch die Gated-Community an der Rummelsburger Bucht. Früher bin ich direkt über Ostkreuz gefahren, aber das ist noch nervenaufreibender und das Kopfsteinpflaster zwischen S-Rummelsburg und S-Ostkreuz ist wirklich anstrengend. Dann doch lieber die Bremshügel.

10:00 Uhr

Ich habe die Uferpromenade Rummelsburg erreicht. Hier haben Fußgänger Vorrang, einen eigenen Radweg gibt es leider nicht, aber damit lässt sich gut leben, sofern nicht zwei Radfahrer nebeneinander vor einem her fahren und sich unterhalten. Es ist Montag morgen, die Situation ist recht entspannt. Allerdings sollte man die Kurven am Ende der Bucht nur langsam durchfahren, in und wieder gibt es auch Gegenverkehr. Die meisten Radfahrer nehmen hier die Abkürzung zur Kynaststraße, welche ich aber nicht kreuzen will und somit fahre ich den etwas längeren Weg über die Glasbläserallee.

10:05 Uhr

Ich stehe an der Kreuzung Alt-Stralau/Kynaststraße an der Ampel und warte. Wie immer ist die Chance 50:50, dass irgendein Auto die Kreuzung nicht frei hält und den Radweg blockiert. Dazu hin und wieder einige Radfahrer die ich vermutlich vorher schon überholt habe und die natürlich jedes Signal missachtend bei rot vor mir von der Kynaststraße rechts abbiegen. So auch heute. Dazu zwei Radfahrer die mir auf dem Fußgängerüberweg entgegen kommen. Soweit alles wie immer.

10:10 Uhr

Eine meiner zwei Lieblingsstrecken, die B96a später auch bekannt als Mühlenstraße oder einfach die Straße am Osthafen oder später Eastside-Gallery. Der Radweg ist verpflichtend und eigentlich eine Zumutung. Eigentlich ist es eher ein Flickenteppich von Ausbesserungsmaßnahmen, gespickt mit Glassscherben des Partyvolks vom Wochenende aus der MAGDALENA und der Wilden Renate. Als wäre das nicht schlimm genug, ist es eine dieser Strecken auf denen viele Radfahrer rote Ampeln komplett ignorieren. Der Rekord von Überholmanövern die ich bei einem einzelnen Radfahrer auf dieser Strecke durchführen musste liegt bei mindestens drei, was bei dem schmalen Radweg, dem Zustand der Straße und der Angewohnheit vieler Radfahrer möglichst in der Mitte des Radweges zu fahren zu einem Kraftakt werden kann, sofern man rechts überholen will, ohne frontal in eine Laterne zu fahren.

10:15 Uhr

Wahrschauer Straße, wenn man die Ampel übersteht ohne Touristen umzufahren oder von rechts abbiegenden Bussen oder LKWs übersehen zu werden, ist nun etwas Entspannung angesagt. Der Radweg ist in gutem Zustand nur leider so schmal, dass man bei jedem Überholmanöver auf die rechte Spur ausweichen muss. Da es sich um eine Bundesstraße handelt, ist das häufig recht aufwendig und wird von Autofahrern ungern gesehen. Besonders beliebt sind auf dieser Strecke Taxis oder Busse auf dem Schutzstreifen, die ebenfalls ein Ausweichen auf die rechte Spur erfordern. Das stört aber kaum einen Autofahrer daran, die Schuld bei den Radfahrern zu suchen. Gerade Limnousinen und Taxis sollten auf dem sehr breiten Fußweg vor dem Eastside-Hotel genug Platz haben dort zu warten, aber dann müssten sie ja über den Bordstein fahren und wer will das schon. Auch auf diesem Abschnitt ignorieren viele Radfahrer die roten Leuchtsignale. Das ist aber weniger tragisch, denn die meisten Touristengruppen tun das ebenfalls.

10:25 Uhr

Holzmarktstraße, hier wird der Schutzstreifen richtig schlecht und man humpelt mit größeren Sprüngen an der Tankstelle vorbei bis zur Kreuzung Lichtenberger Straße. Dort folgt dann ein benutzungspflichtiger Radweg der dem an der B96a in nichts nachsteht, mit der Besonderheit, dass hier noch eine Bushaltestelle mittendrin ist. Hat man die Stelle erreicht, wo der Radweg auf die Straße geführt wird, hat man es geschafft. Vorerst.

10:30 Uhr

Stralauer Straße, trotz Spurverengung unter der S-Bahnbrücke recht gute Strecke, bis auf die Baustelle die Neuerdings vor der Molkestraße ist. Aktuell ist dort aber so viel Stau, dass rechts vorbei fahren an der Autoschlange durchaus eine Option ist. Der Weg über die Leipziger Straße bis zur Kleiststraße verliefen verhältnismäßig ruhig.

11:30 Uhr

Erste Station geschafft, nun weiter Richtung Friedrichstraße. Dazu über die Lützowstraße und Reichpietschufer zum Potsdamer Platz.

11:40 Uhr

Der Radweg am Lützowufer wird auf die Straße geführt, direkt auf der Abfahrt steht ein Taxi. Nachdem ich mich um das Taxi herum manövriert habe klebt mir plötzlich ein Autofahrer mit 10cm Abstand am hinteren Schutzblech. Ich dreh mich um und werde angehupt. Ich werde das erste mal an diesem Tag etwas lauter und frage den Fahrer, was er für ein Problem hat.

11:45 Uhr

Ein dunkler Kleintransporter mit 0-Kennzeichen überholt mich mit gefühlten 10cm Abstand, um dann 20m weiter hinter drei anderen Autos an der roten Ampel halten zu müssen. Als ich rechts auf dem nun existierend Schutzstreifen an ihm vorbei fahre, frage ich ihn, ob er den Mindestabstand kenne. Er wirkt genervt und fuchtelt mit den Armen.

11:55 Uhr

Potsdamer Platz, ein älteres Pärchen läuft auf dem Radweg Richtung Ampel. Nach mehrfachem Klingeln reagieren sie sogar und gehen bei Seite. Da gerade rot ist, frage ich sie ob sie den Radweg nicht gesehen haben. Die ältere Frau meint: „Ja ja, aber wo soll man den sonst lang laufen?“ Ich schaue sie nur ungläubig an, zeige auf den relativ großzügigen Fußweg hinter dem U-Bahn-Eingang.
Es wird grün ein Reisebus biegt rechts ab unter völliger Missachtung einer Radfahrerin und mir die neben ihm stehen und ebenfalls grün haben. Wir halten an mit dem Wissen, dass wir zwar im Recht sind, am Ende aber eh den Kürzeren ziehen werden.

20:00 Uhr

Heimreise – Ich nehme den Weg über Französische Straße und Werderscher Markt. In diese Richtung ist die S-Kurve vor dem Humboldt-Forum zwar ein Ärgernis, da sie im 90°-Winkel geführt wird, aber die andere Richtung ist vergleichsweise schlimmer, da sich dort immer wieder Touristengruppen auf dem Schutzstreifen aufhalten, Sand von der Baustelle die Fahrbahn verschmutzt oder einfach Container auf dem Schutzstreifen abgestellt werden.

20:15 Uhr

Heute keine Taxen auf dem Schutzstreifen Stralauer Platz, nur wenige Rotlichtfahrer unter den Radlern. Allerdings zeigte eine ein durchaus interessantes Verhalten. Erst fuhr sie links an etwa 10 wartenden Radfahrern vorbei, um dann bei grün los zu fahren und 5m später den rechten Arm auszustrecken, um abzubiegen. Völlig unverständlicherweise wurde sie von keinem Radfahrer durchgelassen.

20:20 Uhr

Wer auch immer der Meinung war, dass der Radweg am Ende der Mühlenstraße vor der Überbaumbrücke für 50m auf den Bürgersteig geführt werden muss, sollte dort bitte jeden Tag drei mal lang fahren. Autos, Touris oder anderes blockieren eigentlich zu jeder Tag- und Nachtzeit den Weg, so auch dieses mal. Dazu kommen die Rechtsabbieger aus Neukölln die rote Ampeln per Definition nicht kennen und einem die Vorfahrt auf der anderen Seite der Kreuzung nehmen.

20:30 Uhr

Immerhin es tut sich etwas an der Eastside-Gallery, inzwischen wird dort der Fußweg gebaut, was allerdings bedeutet, dass der Weg nicht benutzbar und ein Fahren auf der Straße unvermeidlich ist, sofern man nicht einfach durch die Baustelle fahren will. Zum Glück ist der Berufsverkehr vorbei und es ist relativ ruhig.

20:50 Uhr

Wieder in der Gated-Community in Rummelsburg. Ein Typ kniet mitten auf der Straße vor seinem Auto und macht Fotos von seinem Radkasten. Ich klingel und frage ihn, ob er nicht woanders Fotos machen kann. Er fängt sofort an mich als Ar***l*** zu beleidigen und was ich mir erlauben würde zu klingeln, ich könnte doch um ihn herum fahren. Klar, wenn man in Berlins eins lernt, dann ist es, wenn man ohne Motorengeräusche mit 25km/h auf jemanden zu fährt der mitten auf der Straße ist und seine Umgebung ignoriert, einfach an ihm vorbei zu fahren ohne ihn zu warnen. Wenn mir das nächste mal in so einer Situation jemands vors Rad läuft, weil er mich nicht wahrgenommen hat, werde ich genau so argumentieren. Ich bin sicher jeder Richter wird von der Teilschuld absehen, die ich bekommen würde.

21:00 Uhr

Endlich zu Hause, Puls noch immer etwas erhöht aber auch das legt sich wieder. Morgen geht es wieder raus auf die Straße. Auch dann werden wieder die üblichen Dinge passieren, doch das schöne daran ist, dass man sich mit der Zeit daran gewöhnt. Rücksicht ist ein Fremdwort, Unrechtsbewusstsein kaum vorhanden, egal ob bei Autofahrern, Radfahrern oder Fußgängern und trotzdem werde ich weiter in dieser Stadt mit dem Rad unterwegs sein und bestimmt wird es noch die ein oder andere Geschichte geben, dann aber auf jeden Fall in kürzer Form.

Flüchtlingshilfe in Karlshorst

Überfüllte Erstaufnahmelager in Berlin, mangelnde Versorgungslage die mit Zuständen in Nordafrika verglichen wird in Dresden, brennende geplante Unterkünfte im ganzen Land und immer wieder die Frage, was man tun kann. Der Sommer 2015 steht eindeutig im Zeichen der Flüchtlinge und hat es geschafft das Thema Griechenland aus den Medien zu vertreiben.

Doch die Meldungen sind nicht nur negativ. So rollt momentan eine Welle der Hilfsbereitschaft über das Land. Überall versuchen Menschen zu helfen und teilweise sind es so viele, dass die Koordination zu einem der Hauptprobleme wird, so auch in Karlshorst. Als letzten Mittwoch die Bürger in einer Einwohnerversammlung darüber informiert wurden, dass das ehemalige Telekom-Gelände in der Waldowallee zur Unterkunft umfunktioniert wird, gab es beinahe nur positive Reaktion. Einigen Berichten auf Facebook zu Folge, ist die Menge an potentiellen Helfern so groß, dass die Hotline des DRK und die Mitarbeiter vor Ort teilweise überfordert sind. Trotzdem sind weitere Helfer natürlich willkommen. Hier eine kleine Übersicht, wo man Informationen beziehen kann, um zu helfen und was in den nächsten Tagen ansteht.

Koordinierungsseiten:

Das Berliner Etherpad für Informationen zur LaGeSo und den Unterkünften: https://pad.systemli.org/p/nothilfe-lageso

Die Facebook-Gruppe „Karlshorst Hilft“: https://www.facebook.com/groups/510700805746846/

Die Facebook-Gruppe „Refudees Welcome to Karlshorst“: https://www.facebook.com/groups/1670878526476488/

Und vermutlich Ende der Woche auch die neue Seite vom DRK: http://notunterkunft.drk-mueggelspree.de

Außerdem kann man sich an den Bürgerverein Karlshorst wenden, der versucht ebenfalls im Rahmen seiner Möglichkeiten die Hilfe von Ehrenamtlichen zu koordinieren. Hier der Aufruf.

Auf Twitter scheint es für Karlshorst noch keinen eigenen Hashtag zu geben, berlinweit wird #lageso verwendet.

Eine Übersicht von Presseartikeln gibt es unter wikinews030: https://wikinews030.wordpress.com/2015/08/08/aufnahmenothilfe-lageso/

Hotline des DRK: 03050380797

Termine:

Koordinierungstreffen Helfer, DRK und Interessierte: Mittwoch, 12.08. ab 19:00 Uhr, bei „Dampf & Zucker“ in Karlshorst, Dönhoffstraße 7, 10318 Berlin

Aktueller Bedarf:

Im Moment werden Leute für das Sortieren der Spenden vor Ort, sowie Kleidungsspenden für Sommersachen und Hygieneartikel benötigt (genaueres in den FB-Gruppen und im Etherpad). Außerdem werden Dolmetscher für Arabisch, Russchisch und Serbisch/Kroatisch gesucht.

Zu Besuch beim 7. Internet Governance Forum Deutschland

Ich bin ja ein bekennender Fan-Boy der UNO. Keine Ahnung, vielleicht hängt es mit meiner Kindheit, der Begeisterung für Star Trek und die Föderation der Vereinten Planeten zusammen. Jedenfalls empfinde ich die Idee einer globalen, überstaatlichen Organisation zur Friedenssicherung und für diplomatischen Austausch, als eine der größten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts.

Daher nahm ich bereits vor einigen Jahren am Internet Governance Forum der Jugend teil, als dieses im Dunstkreis um die Servicestelle Jugendbeteiligung beworben wurde. Es war jetzt nicht die super inspirierende Erfahrung, was eventuell an der geringen Teilnehmerzahl und der eher symbolischen Bedeutung gelegen haben mag, trotz allem fand ich den Multi-Stakeholder-Ansatz des IGF auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene durchaus spannend. Leider hörte ich dann nie wieder etwas vom IGF, gebe aber zu mich auch nicht sonderlich aktiv darum bemüht zu haben.

Dies änderte sich erst, als vor wenigen Wochen die Einladung zum Internet Governance Forum Deutschland (IGFD) 2015 in meiner Filterblase vorbei kam. Als Student kann man sich ja durchaus den Luxus erlauben an einer ganztägigen Veranstaltung unter der Woche teilzunehmen.

Gestern war es dann soweit und ich schaffte es sogar trotz Bahnstreik pünktlich um 9 Uhr ins Rote Rathaus zu kommen und fand einen schönen Platz im noch leeren Wappensaal direkt neben dem alten Lichtenberger Wappen. Irgendwo ist man ja auch ein wenig heimatverbunden.

Zuerst erfolgte die Begrüßung durch die Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. Es wurde sich für die Unterstützung bedankt, das Programm vorgestellt und ein wenig bedauert, dass die Veranstaltung eigentlich nur stattfinden kann, weil man mit dem Klingelbeutel herum gegangen war. Schon ein gewisses Armutszeugnis, wenn Unterorganisationen der UN-Gremien bei Stiftungen für Veranstaltungen sammeln gehen. Zukünftig wird es einen zentralen Fond für nationale Gremien des IGF geben, vielleicht wird es dann besser. Den Eindruck, dass dieses Gremium bei der deutschen Politik einen hohen Stellenwert hat, bekam man dadurch jedenfalls nicht.

Wir haben einen Botschafter für Cyber-Außenpolitik?

Als erstes folgte eine Keynote über Cyber-Außenpolitik des Auswärtigen Amtes von Botschafter Dr. Norbert Riedel. Abgesehen davon, dass es noch keinen Kaffee vor der Veranstaltung war und ich es eher schwer fand dem Vortrag mit 0mg Koffein im Blut um 9:30 Uhr zu folgen, war die Quintessenz, dass es drei Säulen in der deutschen Cyber-Außenpolitik gibt. Sicherheit, Vertrauen und Freiheit, alle gleichberechtigt nebeneinander. Soweit so allgemein gehalten. Am spannendsten fand ich die Tatsache, dass wir neben drei Ministerien die sich mit Internet beschäftigen nun auch noch einen eigenen Botschafter dafür haben. Was dann ja eigentlich bedeutet, dass wir vier Ministerien haben, die sich mit dem Thema befassen. Ich bin ja nach wie vor der Ansicht ein Ministerium für die Querschnittsaufgabe Internet und Digitale Technologien wäre langsam aber sicher notwendig. Das Thema hätte es durchaus verdient, bekommen hat es aber nur den Dobrindt.

IANA Transition Teil 1

Als nächstes folgte ein kurzer Lightning-Talk von Dr. Wolfgang Kleinwächter, Mitglied des Boards of Directors der ICANN, einem Vertreter des ISOC, einem Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und dem Berater des ICANN-Präsidenten Dr. Tarek Kamel.

Auch wenn ich einen eher technischen Hintergrund habe, verstehe ich die anhaltende Debatte über den IANA-Prozess nur teilweise. Aber vielleicht auch gerade weil ich einen technischen Hintergrund habe. Ja die IANA ist verantwortlich für globale Toplevel-Domains und es ist sicher sinnvoll, wenn man diesen Prozess umbaut und nicht mehr die USA die oberste Kontrolle über dieses Gremium haben, sondern ein multinationaler Multi-Stakeholfer-Ansatz. Aber für mich ist das eine sehr politische Debatte über eine Organisation die letztendlich nur organisatorische Bedeutung hat. Wenn ein Land das Netz sperren und/oder zensieren will, kann es das auch ohne Zugriff auf IANA. Mir ist jedenfalls nicht ganz klar, was das Worst-Case-Szenario sein sollte, für den Fall, dass IANA nun rein staatlich kontrolliert wird. Leider hat dieser Lightning-Talk mir in diesem Punkt auch keine neuen Erkenntnisse gebracht. Vielleicht war das aber auch einfach der Tatsache geschuldet, dass es inzwischen fast 11 Uhr war und noch immer keinerlei Koffein in meinem Blutkreislauf war.

IANA Transition Teil 2

Endlich eine Kaffeepause. Nach dem zweiten Kaffee und etwas Nikotin fühlte ich mich dann auch bereit für eine zweite Runde IANA Transition. Allerdings drängte sich mir immer mehr die Frage auf, warum dieses Thema so einen großen Stellenwert auf dieser Veranstaltung bekam. Es folgte eine Diskussionsrunde mit einem Vertreter von eco, Reportern ohne Grenzen und dem CEO von DENIC.

Irgendwann entschied ich mich, trotz Doping durch Kaffee, geistig der Diskussion nicht mehr zu folgen. Die Debatte wurde immer kleinteiliger, spielte sich nur zwischen einer handvoll Leuten ab und verstieg sich in Detailfragen. Diese waren einerseits mit derartig vielen Abkürzungen unterlegt, dass ich irgendwann kein Wort mehr verstand. Die Moderatorin hatte zwar eine Abkürzungsliste angekündigt, gezeigt wurde diese aber nicht. Letztendlich wurde noch ein Entwurf einer neuen Struktur diskutiert, der aber sehr generisch war und auch noch nicht die endgültige Variante darstellte. Im Detail umfasste der aktuelle Diskussionsstand wohl auch 100 Seiten Papier, so dass selbst die Mitglieder des Podiums nur bedingt auf Detailfragen antworten konnten. Ich hatte jedenfalls arg mit mir zu kämpfen, nicht direkt einzuschlafen und ich glaube einem Großteil der ca. 80 anderen Gäste im Saal ging es nicht viel anders. Ich habe auch nicht wirklich verstanden warum der Teil der Veranstaltung mit „Eine neue Regierung für das Netz: IANA Transition“ überschrieben war. Wie bereits geschrieben, sehe ich die IANA eher als ein Werkzeug und kein Policy-Instrument.

Eine eher kraftlose Debatte über den BND-Skandal

Anschließend die freudige Erwartung auf das vermutliche Highlight des Tages. Eine Podiumsdiskussion zum Thema BND-Skandal mit den üblichen Verdächtigen der deutschen Netzpolitiker-Szene. Geladen waren Thomas Jarzombek (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Malte Spitz (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) und Halina Wawczyniak (DIE LINKE). Ich weiß gar nicht, wie oft ich diese Combo schon auf Podien habe sitzen sehen, aber immerhin bot die aktuelle BND-Affäre ja einiges an Diskussionsstoff. Herr Jarzombek hatte leider aus gesundheitlichen Gründen abgesagt und somit war nur noch Herr Klingbeil für die Regierungskoalition auf dem Podium vertreten. Auch die Wahl der Moderatorin fiel mit Lena Kampf, einer freien Journalistin, in meinen Augen nicht besonders glücklich aus. Vermutlich war ihr Bekenntnis gleich zum Anfang, dass sie ja eigentlich keine Ahnung von Netzpolitik habe und jetzt nur durch die BND-Affäre angefangen habe, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, kein besonders guter Einstand. Leider wurde es im Verlauf der Diskussion auch nicht besser, da sie oft ins Stocken geriet, teilweise schlecht vorbereitet wirkte und einfach zu wenig nachbohrte, was bei der Art ihrer Gäste durchaus notwendig gewesen wäre. Zwei besonders schöne Beispiele seien hierzu festgehalten. Zuerst meinte sie, dass NSA-Untersuchungsausschuss ja weltweit einmalig wäre, weil wohl in keinem anderen Land der Welt derartige Aufklärung der Geheimdienstarbeit geschehen würde. Da mussten sogar die Politiker mit Verweis auf den Untersuchungsausschuss in den USA vereint widersprechen. Dazu kamen dann noch Kommentare wie der, dass sie gestern Nacht noch schnell 300 Seiten zu einem Thema durchgearbeitet hätte.

So wurde aus dieser Diskussion dann nur ein oberflächlicher Ritt durch die aktuellen Themen der Netzpolitik. BND-Affäre, Vorratsdatenspeicherung, Störerhaftung, Datenhelerei, mehr Kontrolle der Geheimdienste durch das Parlament und am Ende noch ein paar Ausflüchte der Politiker, warum man denn nicht zum Internet Governance-Forum auf internationaler Ebene kommen würde und warum allgemein das IGF anscheinen so niedrigen Stellenwert in der Politik hat. Immerhin ließ sich Lars Klingbeil darauf festnageln, dass er gegen die Vorratsdatenspeicherung stimmen wollte. Warum Heiko Maaß es im Moment so eilig hat, dieses Gesetz noch vor der Sommerpause umzusetzen, konnte er leider auch nicht erklären. Dann mussten die Politiker aber auch sehr schnell wieder gehen, da für sie der NSA-Untersuchungsausschuss anstand. Da dieser Block bereits mit einer Viertelstunde Verspätung gestartet war, blieben damit kaum 45 Minuten Diskussion, aus der eigentlich nicht viel mitzunehmen war. Vielleicht noch die Tatsache, dass DIE LINKE Geheimdienste komplett abschaffen will. Für Lars Klingbeil die Arbeit im heimischen Wahlkampf wichtiger ist als das IGF und auch Halina Wawczyniak wohl nicht die Zeit finden wird, daran teilzunehmen und alle Netzpolitiker mit der ihnen entgegengebrachten Akzeptanz in der Partei wohl nicht endlos zufrieden sind. Business as usal also. Ein Zuhörer stellte noch die Frage, ob es Politiker motivieren würde, wenn das IGF 2018 in Berlin stattfinden würde. Vollends überzeugt haben mich die Antworten allerdings nicht.

[Mittagspause]

Neue Domain-Endungen in der Digitalen Agenda

Der nächste Teil klang in der Ankündigung relativ unspektakulär. Da schienen sich auch viele andere Besucher der Veranstaltung gedacht zu haben, denn die Teilnehmerzahl war inzwischen von etwa 80 auf mindestens die Hälfte, wenn nicht sogar auf ein Viertel gesunken. Auch von den fünf angekündigten Personen saßen lediglich drei auf dem Podium. Immerhin wurden mit .hamburg und .nrw zwei schöne Projekte vorgestellt, bei denen neue Toplevel-Domains in eine Gesamtstrategie zur Öffentlichkeitsarbeit und besseren Strukturierung von eGovernment eingesetzt wurden. Berlin verweigerte sich dem Ganzen und der Senat ließ nur verlauten, dass lediglich berlin.de als zentrale Webseite vorgegeben ist. Das überrascht jetzt nicht besonders, versprüht unsere Hauptstadt-Repräsentanz im World Wide Web noch immer den Charme der späten 90er Jahre, von den Bezirks-Unterseiten die mir bisher begegnet sind, ganz zu schweigen. Natürlich ist die zwischendurch angebrachte Kritik, dass sich zukünftige Öffentlichkeitsarbeit mehr in den Bereich von Apps verschieben wird und damit Toplevel-Domains an Bedeutung verlieren, nicht von der Hand zu weisen. Ich hatte ja selbst mit dem Gedanken gespielt meinem Blog eine schicke .berlin-Domain zu verpassen. Allerdings fand ich die Preise mit etwa 5€ pro Monat ein wenig hoch. Da wir auf Grund der relativ geringen Teilnehmerzahl vor der Zeit fertig waren und keine Fragen mehr im Raum standen, fragte ich Spaßes halber einmal nach, wie die Gäste auf dem Podium die Preisentwicklung einschätzten. Man schien sich sicher, der Markt würde das schon regeln und es gebe ja auch günstigere Anbieter. Sehr viel günstiger als 3,50€ pro Monat waren dann aber auch die genannten Anbieter nicht, zumindest nicht langfristig aber vielleicht sinken die Preise ja wirklich, wenn sich die .berlin-Domain und andere Stadt-TLDs als Ladenhüter herausstellen. Immerhin verschaffte dieses Panel einen kurzen Einblick in die Digitalen Agenden einzelner Metropolregionen und war für mich somit überraschender Weise eins der Highlights des Tages.

Die Jugend und @mspro als ihr Babysitter

Damit folgte dann nach der Kaffeepause der letzte Teil der Veranstaltung, abgesehen von einer kurzen Vorstellung der „Rapports“ die man wohl am besten mit der Beschreibung der Ergebnissen aus den einzelnen Diskussionsrunden auf dem internationalen Internet Governance Forum erklären kann, die Diskussion mit der Jugend über das Thema Privatheit. Dabei sollten drei Jugendliche zusammen mit Michael Seemann alias @mspro und einem Moderator einen kurzen Einblick in die Ergebnisse des Jugend Internet Governance Forums Deutschland vom Vortag geben.

Da ich mich inzwischen nach dem WLAN-Schlüssel erkundigt hatte, aus mir unerklärlichen Gründen war dieser weder auf dem Programm, noch in der Tagungsmappe enthalten, was für ein Internet Governance Forum schon ein wenig merkwürdig war, entschied ich mich live zu Twittern. Betrachtet man die Zahl der Tweets in diesem Block, hätte sich eine Twitter-Wall durchaus gelohnt. Es schien, als ob die Hälfte der Zuhörer parallel die Jugend auf der Bühne und den Twitterfeed beobachtete und man wurde das Gefühl nicht los, dass alle mit Smartphone oder Laptop in der Runde versuchten herauszufinden, welcher Twitternutzer sich hinter welcher realen Person verbarg. Auch eine ganz lustige Beschäftigung in einer eher kleinen Runde von Menschen die sich nicht kennen.

Eigentlich sollte es erst eine kurze Einführung über den Diskussionsstand der Jugend geben und dann eine Debatte. Debattiert wurde aber mit dem Publikum erst in den letzten 10 Minuten. Davor kam noch eine kurze Buchvorstellung für @mspros neues Buch und dann ging es quasi einmal quer durch das Thema Privatsphäre aus Sicht von Jugendlichen. Über den Zwang zur Nutzung sozialer Netzwerke, über die Frage nach dem Vertrauen in die Regierung, was den Schutz der eigenen Daten angeht, bis zur Frage, ob es überhaupt Sinn macht, den Versuch zu unternehmen seine Daten zu schützen. Nun mag ich persönlich @mspro nicht besonders, was im Zusammenhang zu seinen Äußerungen zum Jubiläum von Fefes-Blog steht. Dabei stört mich weniger seine Kritik an Fefe, die in Teilen durchaus berechtigt ist, sondern seine Art, wie er von Menschen spricht, die Fefe lesen und sie selbst über einen Kamm schert, ohne großartig zu differenzieren. Aber das nur am Rande.

Die Tatsache, dass er in seiner Rolle als einer Art Mentor nun eine eher Post-Privacy-Position einnahm, machte es für mich nicht gerade besser. So war beispielsweise eine seiner Thesen, dass er selbst ja in allen sozialen Netzwerken aktiv ist, damit er niemanden zwingen muss, sich auf ein neues Netzwerk für die Kommunikation mit ihm einzulassen. Kann man sicher drüber diskutieren, wäre jetzt aber weniger mein Standpunkt. Auf Twitter bekam ich die Info, dass ihn sich die Jugendlichen selbst als beratende Figur ausgesucht hatten. Leider weiß ich nichts weiter über die Hintergründe, insbesondere die Frage, wie sie gerade auf ihn gekommen sind. Ebenfalls störte mich die Geschichte mit seiner Buchvorstellung, da sie meiner Erachtens nicht in diese Veranstaltung gehörte, aber vielleicht brauchte man das als Legitimation, warum er auf dem Podium saß.
Sehr viel neues brachte die Diskussion oder besser die Debatte auf dem Podium auch nicht zutage, außer vielleicht die Erkenntnis, dass sich Jugendliche der meisten Probleme der Netzpolitik durchaus bewusst sind. An einigen Stellen, wie z.B. Cybermobbing hätte ich den Verweis auf andere Gruppen im Netz, wie z.B. PEGIDA und andere Facebook-Bewegungen, als hilfreich empfunden, um zu zeigen, dass ein enthemmter Umgang im Netz kein alleiniges Problem von Jugendlichen ist. Wobei die Qualität durch die reale Nähe bei z.B. Mobbing-Videos und das dahinter stehende Gruppenverhalten im realen Leben durchaus eine andere Qualität besitzt.Da die Themen sehr oft wechselten und nur sehr selten das Mikro vorbei kam, damit das Publikum sich an der Diskussion beteiligen konnte, versuchte ich meine Ideen direkt über Twitter zu streuen, was dann zu der abstrusen Tweet-Rate von etwa 15 Tweets pro Stunde führte. Immerhin war ich nicht völlig allein, zwei oder drei andere beteiligten sich ebenfalls an der Debatte, auch wenn wir eher nicht auf einander eingingen. Letztendlich schafften wir es durch Favs und Retweets kurzzeitig in die Top-Ten der deutschen Twitter-Statistik. Mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wie überbewertet Twitter in Deutschland ist.Irgendwann erstarb dann aber mein Akku und ich griff dann doch noch einmal zum Mikrofon, mit dem Hinweis darauf, dass der Spruch „Ich habe nichts zu verbergen!“ immer einen wichtigen Punkt unterschlägt und zwar den Schutz der Daten meiner Kommunikationspartner, Freunde und allen anderen, die mit mir über soziale Netze in Verbindung stehen.Letztendlich war die Diskussion nicht schlecht, aber sie war auch nicht sehr ausführlich oder tief gehend. Immerhin hat sie gezeigt, dass sich die Jugend ihre Gedanken macht und sich in vielen Fällen Alternativen wünschen würde. Leider stößt man gerade bei Phänomenen wie Facebook oder WhatsApp immer wieder auf das gleiche Problem. Man kann sich dem entziehen, wird dann aber sozial isoliert. Eine Interkommunikation ist nicht möglich und wenn man nicht bereit ist diverse Kanäle zu bespielen ist man irgendwann innerhalb weniger Monopole gefangen. Daher bin ich auch der Meinung, dass die alte Weisheit von der Regulierungskraft des Marktes hier versagen wird, bzw. nur zum Teil funktionieren kann. Es mag sein, dass Facebook für Jugendliche unattraktiver wird, dafür gibt es nun WhatsApp oder Snapchat. Aber wenn man der Masse nicht folgt, zahl man mit sozialer Isolation. Das Beispiel, dass man als Schülervertreter bei WhatsApp sein muss, um für Leute erreichbar zu sein, deckt sich mit meinen Beobachtungen auch bei Älteren. So gesehen sind die Probleme weniger Jugend spezifisch, sie sind meist nur ein paar Schritte voraus.Danach folgte noch die Vorträge der Rapports für das internationale Internet Government Forum, wo noch einmal über das berichtet wurde, was wir den Tag über diskutiert hatten, bzw. was auf der Bühne diskutiert wurde. Danach ging es dann zum obligatorischen GetTogether.Das GetTogher war nett, aber wirklich winzig. Die drei Stehtische im Foyer reichten locker aus, für die Zahl der Gesprächskreise die sich gebildet hatten und relativ pünktlich gegen 19 Uhr verließ ich dann als einer der letzten die Veranstaltung.Hoffen auf die Zukunft des IGFAbschließend muss ich sagen, dass es schon etwas enttäuschend war, wenn man bedenkt, dass es das Internet Governance Forum für Deutschland sein sollte. Zu viel Podiumscharakter, zu wenige Arbeitsgruppen für meinen Geschmack, aber vielleicht passiert das auch größtenteils online und ging bisher an mir vorbei. Ich finde es jedenfalls wichtig, dass es eine solche Veranstaltung gibt, frage mich aber ob es in dieser Form sehr viel bringt. Nun bleibt abzuwarten, ob das Mandat des IGF im September von der UN verlängert wird und wie stark sich das Finanzierungsbündnis für die nationalen Foren auf die Arbeit des IGFD auswirken wird. Vielleicht werden dann in Zukunft auch mehr Initiativen beim IGFD mitarbeiten. Bisher war von Netzorganisationen, von denen es in Berlin ja sehr viele gibt, nur das <Co:llaboratory> und der Branchenverband eco repräsentativ vertreten. Wo waren denn all die anderen „Größen“ wie AK-Vorrat, Netzpolitik.org/Digitale Gesellschaft, Wikimedia, Adhocracy oder auch Amnesty International oder die ganzen Parteiorganisationen die sich mit Netzpolitik befassen? Immerhin waren ein paar FDPler für den neuen liberalen Netzpolitikverein LOAD anwesend, aber selbst die Piraten schienen sich der Veranstaltung zu verweigern. Auch von meinen Kollegen vom Institut für Internet und Gesellschaft, hatte offenbar niemand anderes Zeit, teilzunehmen.Aber vielleicht ist das IGF wirklich nur eine schöne Idee und nicht mehr und die meisten Organisationen haben das inzwischen eingesehen. Ich persönlich fänd es sehr schade und hoffe, dass es im nächsten Jahr erfolgreicher wird. Vielleicht legt man es dann auch nicht mitten in die Woche, so dass auch Nicht-Studenten sich den Luxus leisten können, sich für Internet Governance auf internationaler Ebene stark zu machen, damit im gewünschten Multi-Stakeholder-Ansatz auch die Zivilgesellschaft ausreichend vertreten ist und nicht nur Politik und Wirtschaft.

Der BER von Karlshorst

Quelle: Andre_de (Wikimedia Commons)
Quelle: Andre_de (Wikimedia Commons)

Manchmal fragt man sich schon ein Bisschen, ob nicht ganz Berlin über einem ehemaligen Indianerfriedhof errichtet wurde. Denn nicht nur der Bau von BER, U55 und Staatsoper ziehen sich in die Länge und kosten immer mehr, nein auch im Kleinen gibt es solche Baustellen.  Eine davon ist der S-Bahnhof Berlin-Karlshorst, im gleichnamigen Ortsteil von Berlin-Lichtenberg, der eher spießbürgerlich und in letzter Zeit immer gentrifiziert erscheint und sich stark absetzt vom Plattenbausiedlungsimage des 260.000 Einwohner umfassenden Großbezirks.

Der Bahnhof im Zentrum des Karlshorster Kiez ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt für die Anwohner im größeren Umkreis. Hier treffen sich mehrere Straßenbahnen und Busse, die S-Bahnlinie 3 und die Regionalbahnlinien 7 und 14. Dazu kommt das Problem, dass unter der Brücke des Bahnhofs eine der östlichen Verkehrsachsen von Berlin die Treskowallee auf eine Spur (in Zahlen: 1) verengt wird, Straßenbahn und Bus natürlich mitgerechnet.
Die Treskowallee ist so etwas wie die inoffizielle Verbindung zwischen B96A (Schönefeld) und B1/B5 noch Küstrin/Kostrzyn und Frankfurt (Oder). Darüber hinaus ist es eine der wenigen Nord-Süd-Achsen im Osten der Stadt mit dem Vorteil, dass man nicht über die East-Side-Galery und den Alexanderplatz oder die Altstadt Köpenick fahren muss.

So viel zur Bedeutung dieser kleinen Straße, auf der von morgens bis Abends LKW unterwegs sind und jeden Tag der Berufsverkehr für Pendler zur Hölle wird. Nun sollte die Situation verbessert und die Brücke geweitet werden, so dass sechs Spuren entstehen. Zwei für Straßenbahnen und Busse, zwei pro Richtung für Autofahrer und dann noch Platz für Fußgänger und Radwege.

Seit mehr als drei Jahren in denen ich nun also in Karlshorst wohne ist der Bahnhof eine Baustelle. Mal ist die eine Seite unter der Brücke für Fußgänger gesperrt, mal die andere, manchmal auch beide und man muss den Bahnhof vollständig umrunden, was mit etwa 500m Umweg eher ein Problem für ältere Menschen darstellt. Ein paar Mal musste auch die gesamte Brücke gesperrt werden, was meist am Wochenende geschah. Dann im Herbst 2013 ein Unfall, bei dem ein Bauarbeiter starb. Mehrere Monate war der Weg durch die Bahnhofshalle gesperrt, da ein 7,5t schwerer Stahlträger nicht geborgen werden konnte. Noch heute erinnern Kerzen und Blumen an das Geschehen.

Inzwischen scheint die Brücke fertig zu sein und die Bahnhofshalle wird nur noch von innen gebaut. Trotzdem scheint nichts mehr zu passieren. Zufälligerweise sah ich heute einen Beitrag der Berliner Abendschau vom rbb, in der unsere neue Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) erzählte, dass mit einer Fertigstellung hoffentlich 2018 gerechnet werden kann. Es interessierte mich schon ein wenig, warum eine Brücke, die relativ fertig aussieht, erst in drei Jahren freigegeben werden sollte und begann ein wenig zu recherchieren. Dazu am Ende eine kurze Zeitliste der Ereignisse.

Wie sich herausstellte ist der Grund für die Verzögerung die Weigerung der Berliner Wasserbetriebe (kommunaler Betrieb) ein Planfeststellungsverfahren zu eröffnen, für die Sanierung der unter der Brücke verlaufenden Wasserleitungen. Die Begründung dafür ist interessant. Anscheinend besteht bis heute nämlich kein beschlossenes Konzept der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG (kommunaler Betrieb) wie die Führung der Straßenbahn unter der Brücke verlaufen soll. (siehe dazu die schriftliche Anfrage der CDU im Abgeordnetenhaus) Immerhin will nun das Land Berlin den Berliner Wasserbetrieben eine Bürgschaft anbieten, damit diese ihre Planung bereits zwei Jahre vorher abschließen und zur Feststellung freigeben. Leider konnte ich bisher nicht herausfinden, warum man nicht einfach die BVG zwingt, ihre Planungen abzuschließen. Aktuell beträgt die Zeit inklusive der Planung 15 Jahre. Sollte es doch eher 2020 als 2018 mit der Fertigstellung klappen, dann hätten wir für die Verbreiterung einer zweispurigen Straße unter einer Brücke annähernd die gleiche Zeit benötigt, wie für den Bau eines Flughafens. Es scheint hier durchaus systemische Probleme in Berlin zu geben, wenn es um Bauprojekte geht. Aber damit nicht genug. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Bahnhof 2021, vielleicht auch früher, fertig wird. Die Frage ist aber, ob er dann überhaupt noch in dieser Form benötigt wird.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist bereits seit längerem die Tangentialverbindung Ost (TVO) im Gespräch, die quasi die Ausweichstrecke um die stark bewohnten Gebiete der Treskowalle darstellt. Noch ist nicht ganz absehbar, was schneller fertig wird, vor allem da die TVO zum großen Teil in der Verantwortung des Bundes liegt. Zum anderen wird vermutlich 2017 die Haltestelle für den Regionalbahnhof stillgelegt. Sofern bis dahin der Bahnhof Ostkreuz fertig gestellt wurde. Immerhin eine der Baustellen, die nicht völlig von der Planung abweicht und das obwohl sie von der Deutschen Bahn betrieben wird. Sollte stattdessen der S-Bahnhof Köpenick zum Regionalbahnhof werden und die Planung bestehen bleiben, dass die S3 nur bis Ostkreuz fährt, wird der Bahnhof für den öffentlichen Nahverkehr unattraktiver. Dazu kommt, dass bereits jetzt ein eklatantes Problem im Konzept des Brückenumbaus aufgetaucht ist. Anscheinend hatte man zu Beginn der Planung nicht mit einer Zunahme des Fahrradverkehrs in dem Ausmaße gerechnet, wie er in den letzten Jahren erfolgt ist. Vielleicht kann man dann ja eine der beiden Fahrzeugspuren in eine sehr breite Fahrradspur umwandeln. Auch das erinnert alles ein wenig an BER, der zur Fertigstellung bereits die benötigte Kapazität nicht mehr aufweisen wird.
Es gibt aber auch den ein oder anderen entscheidenden Unterschied. So ist das mediale Echo über eine derartige Provinzposse sehr verhalten und bisher musste auch noch kein politischer Verantwortlicher für dieses Planungschaos seinen Rücktritt verkünden. Hier mal eine Auswahl an Zitaten, der letzten Jahre:

12. November 2014
Er gab zu, dass er bei seinem Amtsantritt im Jahr 2011 noch sehr blauäugig an die Sache herangegangen ist und von einem Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2016 gesprochen hat. „Ich war zu optimistisch“, verkündete Nünthel etwas selbstkritisch. „Ich höre die Worte des Staatssekretärs gern“, betonte Nünthel, „doch ich habe keine Illusionen mehr.“ […] „Wir hoffen darauf, dass zum Ende der Wahlperiode [2016; d.V.]  das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist.“
Wilfried Nünthel (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung im Bezirk Lichtenberg, seit 2011 im Online-Magazin Lichtenberg-Marzahn+ am 12.11.2014

11. November 2014:
„Als Aufsichtsratsmitglied beider landeseigener Unternehmen sichere er den Anwohnern zudem auch zu, „dass ich mich persönlich darum kümmern werde, dass es beide Unternehmen [Wasserbetriebe und Berliner Verkehrsgesellschaft; d.V.] ernst meinen“

Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, seit 2011 im Bezirks-Journal vom 11.11.2014

14. März 2014
„Doch beginnen jetzt erst die Wasserbetriebe mit den Leitungsarbeiten. Für die Straßenbahn fehlen Haltestellen. Das Bezirksamt Lichtenberg rechnet nicht vor 2018 (!) mit einer Verbreiterung der Treskowallee. Gab es zeitliche Abstimmungen, fragte ich. Der Verkehrssenator [Michael Müller (SPD), inzwischen Bürgermeister; d.V.] wich aus: Man bemühe sich derzeit, “durch eine Optimierung der Bauabläufe eine Reduzierung der Bauzeiten zu erreichen”. Gab es gar keinen Zeitplan für die Treskowallee? Wiederholt sich hier das Modell Invalidenstraße?“
Interview in der BZ zu Dauerbaustellen, vom 14.03.2014

Februar 2014
„Die Berliner Wasserwerke und die BVG nahmen an dieser Beratung nicht teil und teilten mit, es gäbe nichts Neues zu berichten und das Planfeststellungsverfahren der BVG ist weiter in Vorbereitung, dessen Eröffnung sei in ca. einem viertel Jahr.“
Aus dem Bericht des Karlshorster Bürgervereins zum runden Tisch Bahnbrücken

September 2013
„Die DB AG wird ihre Arbeiten planmäßig durchführen und beenden.
Für die Zeit danach sind derzeit keine verbindlichen Terminzusagen möglich.
Der Baubeginn der Arbeiten unter den neuen Brücken (Wasserbetriebe und BVG) könnte erst bis zu zwei Jahren nach Abschluss der Brückenbauten liegen.“
Aus dem Bericht des Karlshorster Bürgervereins zum runden Tisch Bahnbrücken

28. Juni 2013
Frage 1:Nach welchen Kriterien wurde die zukünftige Anordnung der Straßenbahnhaltestelle am Bahnhof Karlshorst vorgenommen?
Antwort 1: Durch das Verschwenken der Straßenbahngleise im Bereich der  Eisenbahnbrücken aus der Mittellage an die seitlichen Gehwege heran können die Straßenbahnhaltestellendirekt vor den Zugängen zumBahnhof Karlshorst angeordnet werden, die sich in den Brückenwiderlagern befinden.Dadurch können mehrere Ziele gleichzeitig erreicht werden:“
Antwort von Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) auf die kleine Anfrage von Danny Freymark (CDU) im Abgeordnetenhaus von Berlin

11. Juni 2013
„Zum absehbaren Verzug der Arbeiten unter den neuen Bahnbrücken befragt, verlas der Baustadtrat eine äußerst unbefriedigende, eigentlich nichtssagende Briefantwort des Senators für Stadtentwicklung [Michael Müller (SPD), heute Bürgermeister; d.V.] auf sein Unterstützungsersuchen. Der Bezirk will nun prüfen, ob eine Übergangslösung möglich und finanzierbar ist. Ziel wäre, die fertiggestellte, breitere Treskowallee unter den neuen Brücken zwischenzeitlich bis zur Fortsetzung der Bauarbeiten für den Verkehr zu nutzen.“
Aus dem Bericht des Karlshorster Bürgervereins zur Einwohnerversammlung Bauen und Verkehr

18. April 2013
„Für Stadtrat Nünthel ist es unverständlich, dass die Unternehmen nicht parallel vorgehen: „Das ist wohl auch für kaum einen Bürger nachvollziehbar.“ Er will deshalb an Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) schreiben und auf eine Beschleunigung drängen. In dessen Haus will man sich zu dem Vorgang noch nicht äußern, sagt Sprecherin Petra Rohland. Der Brief sei ja noch nicht einmal eingegangen.“
Aus einem Artikel der Berliner Zeitung zur Bauverzögerung, am 18.04.2013

Hier eine Linkliste zu den einzelnen Artikeln:

T-Online, Evolution und der Poodle

Wie man nach POODLE wieder T-Online Emails abrufen kann, wenn man Evolution unter Debian Wheezy benutzt.

Quelle: DBGthekafu
Quelle: DBGthekafu

Als Linux-User hat man es manchmal nicht leicht. Neulich wieder so ein Fall. Die POODLE-Attacke auf SSL-Verbindungen hat zu einigen Problemen geführt. Das Ergebnis war, dass man mit Evolution-Mail keine Emails von T-Online abrufen konnte. Zuerst hatte ich T-Online im Verdacht, aber das ließ sich mit #telekomhilft über Twitter recht schnell ausschließen. Zwar hatte T-Online SSLv3 deaktiviert, aber anscheinend kam Evolution mit dem Fallback beim Verbindungsaufbau nicht zurecht. Während es für Ubuntu wohl relativ zeitnah eine Lösung gab, muss man als Debian(Wheezy)-Nutzer bis heute auf ein Update warten, das den Fehler behebt. Mit Icedove/Thunderbird klappte der Abruf problemlos. Hier ein kurzes Howto, wie man sich dem Problem entledigen kann:

  1. Temporäres Verzeichnis anlegen:

    # mkdir ~/tmp

  2. In das Verzeichnis wechseln:

    # cd ~/tmp

  3. Folgende Dateien hier herunterladen:
    evolution-data-server_3.4.4-3+deb7u1_i386.deb
    evolution-data-server-common_3.4.4-3+deb7u1_all.deb
    libcamel-1.2-33_3.4.4-3+deb7u1_i386.deb

    # wget http://ftp.de.debian.org/debian/pool/main/e/evolution-data-server/evolution-data-server_3.4.4-3+deb7u1_i386.deb && wget http://ftp.de.debian.org/debian/pool/main/e/evolution-data-server/evolution-data-server-common_3.4.4-3+deb7u1_all.deb && wget http://ftp.de.debian.org/debian/pool/main/e/evolution-data-server/libcamel-1.2-33_3.4.4-3+deb7u1_i386.deb

  4. Alle Dateien mit dem Paketmanager installieren:

    # sudo dpkg –install *.deb

Anschließend eventuell das System neu starten, damit der Evolution-Data-Server neu startet und dann geht es auch wieder mit dem Mailempfang.

[UPDATE] Auf einem 64bit-System ohne die entsprechenden i386-Erweiterung die entsprechenden amd64-Versionen verwenden und ggf. mit „sudo apt-get -f install“ nachtreten, falls Abhängigkeitsprobleme auftreten. [/UPDATE]

Das Ticket zu dem Problem gibt es übrigens hier. Und die Schritte für dieses Tutorial habe ich von diesem Forenbeitrag übernommen.

Nun muss ich wenigstens nicht mehr mit zwei Mailprogrammen arbeiten und ich hoffe dem ein oder anderen hilft dieses Tutorial den Fehler zu beheben.

Kleine Idee für sichere Messenger

Der Facebook-Messenger ist ein Spionagetool, was kann man tun und Idee für verschlüsselte Kommunikation

Quelle: George Shuklin (Wikimedia Commons)
Quelle: George Shuklin (Wikimedia Commons)

Gerade bin ich über einen Link gestolpert, in dem beschrieben wird, wie viel die Facebook-Messenger-App die User ausspäht. Das ist zwar nicht sonderlich neu, wenn man sich einmal anschaut, wie viele Rechte die App bei der Installation eingeräumt haben will, schockiert aber doch ein wenig, wenn man es mal wieder schwarz auf weiß liest.

Nun besitze ich weder ein SmartPhone, noch würde ich diese App verwenden. Jedem der aber mit seinen Freunden auch mobil über Facebook kommunizieren möchte und ein wenig Ahnung von Technik versteht, dem sei gesagt, dass Facebook auch nur einen XMPP-Server im Hintergrund verwendet. Damit sollte kann man mit einem normalen XMPP-fähigen Client (Miranda, Pidgin, Empathy, Trillian, u.a.)  über Facebook kommunizieren. Dafür braucht man nur den Benutzernamen (steht auf eurer Startseite hinter facebook.com/) und die Domäne: chat.facebook.com
Alternativ kann man auch auf die mobile Seite von Facebook ausweichen, was aber vermutlich nicht ganz so komfortabel ist.

[Disclaimer: ich hab das noch nicht auf dem Handy probiert, da kein SmartPhone. 😉 Lasse mich aber gerne korrigieren.]

Der Vorteil ist, dass man mit einem solchen Messenger auch verschlüsselt kommunizieren kann. Dazu muss der Messenger OTR unterstützen. Hat aber den Nachteil, dass Facebook,  Gerüchten zufolge, verschlüsselte Kommunikation unterbindet. Das ist relativ simpel, da man über einen Dictionary-Vergleich schnell herausfindet, ob Buchstabenwirrwarr verschickt wird oder echte Worte.

Nun die Idee:
Man könnte einen Messenger entwickeln, der XMPP als Protokoll verwendet, dann aber die verschlüsselten Nachrichten mittels Steganographie in Bildern versteckt (JPEG sind auch nur in ASCII-Buchstaben kodiert). Am besten nimmt man als Grundlage irgendwelche Emoticons und versteckt dann die Nachricht darin. Es soll ja schon Messenger geben, die nur noch mit Bildern arbeiten. (find grad auf die Schnelle aber keinen)
Es sollte sehr schwer sein, automatisiert Rückschlüsse auf versteckte Nachrichten zu ziehen und mit genug Entropie in der Art wie die Nachrichten „versteckt“ werden, würde das um so schwerer.
Das einzige was dagegen sprechen würde, wäre der Mehraufwand beim Umrechnen der Bilder. In Zeiten wo SmartPhones aber mit Dual- oder sogar Quad-Core-Prozessoren ausgestattet werden, sollte das nicht das Problem sein.

Würde mich mal interessieren, was andere so darüber denken. Wäre das ein Weg oder übersehe ich etwas wesentliches?

Email Made in Germany – Sammeldienste im Fokus

Telekom wirbt mit „Email Made in Germany“ und schafft es nicht einmal ihren Sammeldienst zum Partner GMX in diesem Projekt mit TSL/SSL abzusichern, weshalb ich seit einigen Tagen Warnmails von GMX bekomme. Der Kundenservice antwortet entweder gar nicht oder nicht sehr hilfreich.

Quelle: Bauerfeind France (Wikimedia Commons)
Quelle: Bauerfeind France (Wikimedia Commons)

Es war im letzten Herbst. Die NSA-Affäre köchelte schon eine Weile vor sich hin und immer wieder überschlugen sich die Meldungen, wo überall unsere Kommunikation im Netz belauscht wird. Zu dieser Zeit begab es sich nun, dass die drei großen Mailanbieter in Deutschland Web.de, GMX und T-Online die Aktion „Email Made in Germany“ vorstellten.

Ab sofort sollten Emails zwischen diesen drei Anbietern TSL/SSL-verschlüsselt übertragen werden. Klang super, außer für die Leute die sich ein wenig mit dem Internet auskennen. Die stellten sich eigentlich nur eine Frage:

„Ihr hattet das gar nicht an?“

Nun weiß nicht jeder, dass TSL/SSL eine Technologie ist, die bereits einer der ersten Browser (Mosaic) um 1994 beherrschte, aber die meisten wissen, dass man Verbindungen im Netz über TSL/SSL absichert, auch wenn nicht jeder die genaue Funktionsweise kennt. Wer mehr darüber wissen möchte, dem sei eine Recherche bei Wikipedia ans Herz gelegt.
Wer zusätzlich etwas für seine Sicherheit beim Surfen tun möchte installiert HTTPS-Everywhere von der Electronic Frontier Foundation (meiner Meinung nach Pflichtaddon für jeden Browser).

Immerhin hat es nur knapp 20 Jahre gedauert, bis die großen Internetdienstleister dieses Landes eine Technologie untereinander einführen, die fast so alt wie das WWW selbst ist. Aber man ist ja für jeden kleinen Fortschritt im Neuland dankbar.

Nun wurde also mit großem Tamtam angekündigt, dass ab demnächst bei Absendern angezeigt wird, ob die Mail sicher übertragen wurde. Es wurde eine Karenzzeit eingerichtet, damit alle Nutzer ihre Mailprogramme usw. entsprechend umstellen können. Ich kann mir zwar nur schwer vorstellen, dass Menschen unsichere Übertragungsmethoden für ihre Mailprogramme benutzen aber naja. Weil entweder haben sie keine Ahnung wie man das macht, dann lesen sie Anleitungen in Foren, in PC-Zeitungen oder beim Anbieter und die legen meist wert auf Verschlüsselung oder aber sie wissen was sie tun oder kennen eine entsprechende Person und die legt dann Wert auf Verschlüsselung, weil sie sich damit auskennt. Aber gehen wir ruhig davon aus, dass nicht alle ihr Outlook, ihren Thunderbird, ihr Pine oder Claws auf TLS/SSL konfiguriert haben und es etwas Zeit braucht, bis sich alle Nutzer umstellen.

Inzwischen ist es fast März, das Projekt „Email Made in Germany“ ist nicht mehr sonderlich präsent in den Medien und Emails spielen im Vergleich zur Debatte WhatsApp vs. Threema eine eher untergeordnete Rolle. So hatte ich das ganze auch fast schon wieder vergessen, bis ich vor ein paar Tagen plötzlich komische Emails von GMX bekam:

SSL-Verschlüsselung aktivieren

Lieber GMX Nutzer,

Sie haben vor kurzem ohne SSL-Verschlüsselung auf Ihr GMX Postfach zugegriffen. Aus Sicherheitsgründen ist der Zugriff über eine unverschlüsselte Verbindung in Kürze jedoch nicht mehr möglich.

Aktivieren Sie daher unbedingt SSL, um weiterhin E-Mails empfangen und versenden zu können:
– bei allen von Ihnen genutzten E-Mail-Programmen (Smartphone, PC und Laptop) – einfach mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung
– im Postfach eines anderen E-Mail-Anbieters oder Hochschul-Accounts, welchem Sie Ihr GMX Konto hinzugefügt haben (E-Mail-Sammeldienst)
– bei Webcams und Routern, die z. B. Statusmeldungen versenden

Nun liegen meine Zeiten bei GMX lange hinter mir, allerdings habe ich bei der Ahnenforschung oft diese Adresse verwendet und hin und wieder erhalte ich da heute noch Zuschriften. Da Abschalten keine Option ist, habe ich vor Ewigkeiten mal einen Sammeldienst bei T-online eingerichtet, um die Zahl der Mailaccounts auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Direkt abgerufen habe ich da weder mit dem Mailprogramm noch per Browser seit über einem Jahr.

Was aber nur bedeuten kann, dass der Sammeldienst von T-Online ohne TSL/SSL-Verschlüsselung meine Emails abruft und damit eine automatische Email bei GMX auslöst. Wir erinnern uns an die Gründer der Allianz „Email Made in Germany“? – Genau Web.de, GMX und T-Online!

Ganz großes Hallentennis! Da schaffen es nicht einmal die Begründer dieser merkwürdigen „Sicherheitsallianz“ ihr eigenen Versprechen einzulösen, denn wenn ich schon den Nutzern den unverschlüsselten Zugriff sperre oder sie zumindest mit solchen Emails belästige, würde ich ja im eigenen Hause anfangen, um genau diesen Fall zu verhindern. Ich finde es auch sehr schön, dass GMX kein genaues Datum nennt, an dem sie den Zugriff sperren aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass genaue Prognosen in der IT eher schwierig sind. 😉

Ich nutze solche Gelegenheiten ja gerne, um mit meinem Dienstleister in direkten Kontakt zu treten, so wie neulich wo ich versucht habe mit der Telekom verschlüsselt zu kommunizieren (folgt hoffentlich demnächst). Also gleich mal die sozialen Kanäle geöffnet und beim Serviceteam der Telekom auf Twitter angefragt:

@Telekom_hilft Apropos „Email made in Germany“, schaltet doch beim Sammeldienst mal SSL ein! GMX meckert schon. #telekom #schlandnet #ssl

Bisher keine Reaktion, aber gut 36h sind auf Twitter ja auch noch keine Ewigkeit (wem ich die Ironie erklären muss, benutzt offensichtlich kein Twitter).

Also heute nochmal auf Facebook das gleiche Spiel, diesmal etwas ausführlicher:

Liebe Telekom hilft,
ich habe bei euch einen Sammeldienst für Email-Konten bei GMX. Jetzt bekomme ich seit einigen Tagen von GMX den Hinweis, dass meine Abruf der Mails ohne Verschlüsselung erfolgt. Der Abruf erfolgt aber ausschließlich über euren Sammeldienst.
In den Einstellungen gibt es auch keine Optionen, wo man Verschlüsselung oder ähnliches verändern könnte.
Bisher hatte ich gedacht, dass Emails zwischen den Mitgliedern der Aktion „Email Made in Germany“ verschlüsselt übertragen werden. Dies gilt wohl leider nicht für Sammeldienste.
Da GMX bald den Zugriff ohne SSL sperrt, wäre es mir sehr wichtig, dass ich auch zukünftig meine Emails über den Sammeldienst beziehen kann.

Immerhin, die Antwort kam prompt. Keine Viertelstunde später:

Telekom-hilft Huhu Kai, uns sind eure Sicherheit sehr wichtig. Deshalb werden wir ab Ende März 2014 nur noch SSL-Verbindungen nutzen. Was du alles wissen musst, findest du hier: http://bit.ly/1cQVb3p
Hast du noch Fragen? Dann her damit. Viele Grüße N*******

Vielleicht hätte die Antwort etwas länger auf sich warten lassen können, wenn sie denn zu meiner Frage gepasst hätte. Auf der erwähnten Seite geht es natürlich nur um den Zugriff auf auf das eigene Konto. Der Sammeldienst wird nicht mal erwähnt.

Also wiederholte und präzisierte ich meine Fragestellung und warte derweil auf Antwort.

Um auch wirklich jeden Fehler auszuschließen, beschloss ich danach noch eine Passwortänderung bei GMX vorzunehmen. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand mein Passwort geknackt und dann ohne TSL/SSL-Verschlüsselung versucht hat meine Mails zu lesen.

Erstmal musste ich feststellen, dass ohne JavaScript auf der Seite von GMX nichts läuft. Man bekommt zwar eine minimale Version, aber dort kann man kein Passwort ändern, weil das Menü nicht existiert. Dann scheiterte die Konfigurationsseite bei T-Online für den Sammeldienst mit einem generischen Fehler, um dann völlig zu verschwinden und kurze Zeit später wieder mit generischem Fehler zu versagen. Insgeheim hoffe ich ja, dass sie grade dran basteln, aber vielleicht war das 32 Zeichen lange Passwort einfach zu viel für das ebenfalls vollkommen in JavaScript geschriebene Frontend von T-Online. Ein kürzeres Passwort ließ sich nicht ausprobieren, da GMX nur alle 24 Stunden einen Passwortwechsel erlaubt. Natürlich haben beide Seiten keine Angaben zur maximalen Passwortlänge oder zu nicht erlaubten Zeichen.

Auf jeden Fall weiß ich nach dieser kleinen Eskapade, warum ich Mailprogramme bevorzuge und warum ich in Sachen Email-Sicherheit eher nicht auf „Email Made in Germany“ vertrauen würde. Interessant finde ich ja auch, dass diese Seite nicht einmal TSL/SSL-Verschlüsselung anbietet. Vielleicht sollte man sich bei der Gelegenheit auch mal die Herkunft des „Made in Germany“ ins Gedächtnis rufen.

Es bleibt jedenfalls spannend und ich werde am Ball bleiben. Bei der Geschichte mit verschlüsselten Emails an die Telekom (folgt hoffentlich bald) hat es ja nur drei Monate gedauert, bis ich eine vernünftige Antwort bekommen habe. So viel sei schonmal verraten, die De-Mail-Adresse von vom Telekom-Kundenservice ist:

Kundenservice-De-Mail@telekom.de-mail.de

[tl:dr]

Telekom wirbt mit „Email Made in Germany“ und schafft es nicht einmal ihren Sammeldienst zum Partner GMX in diesem Projekt mit TSL/SSL abzusichern, weshalb ich seit einigen Tagen Warnmails von GMX bekomme. Der Kundenservice antwortet entweder gar nicht oder nicht sehr hilfreich.

[Update 27.02.2014]

T-Online hat tatsächlich beim Einrichten von Sammeldiensten ein Problem mit der Passwortlänge. Immerhin 16 Zeichen verkraftet das Skript für Passwörter anderer Anbieter.

[Update 2: 27.02.2014]

Jemand schreibt mir grade, dass die Telekom in einer ihrer FAQ folgendes schreibt:

Ich nutze einen Sammeldienst. Ist die Verschlüsselung dort automatisch aktiviert?

Wäre natürlich spannend zu wissen, warum ich nun solche Email von GMX bekomme.

[Update: 05.03.2014]

Der Fehler scheint inzwischen behoben bzw. der Sammeldienst scheint inzwischen auf SSL umgestellt zu sein, denn inzwischen kommen keine Warnmails mehr. Der Abruf über SSL direkt bei GMX funktionierte auch ohne Warnungen.

Sexismus in der Werbung – Lohnt die Aufregung überhaupt?

Facebook ist manchmal eine komische Sache. Viele Dinge die man so postet werden von einigen zur Kenntnis genommen, vieles wohl auch ignoriert und manchmal entfachen sie eine größere Diskussion. Selten die Beiträge von denen man es vorher erwarten würde. Heute war mal wieder so ein Fall. Auslöser war diesmal ein Artikel über die Verleihung der „Goldene Runkelrübe 2013“ in der Kategorie „Abschreckendste Stellenanzeige“. Auf einem Bild der Kreissparkasse Birkenfeld unter dem Slogan „Gestern noch in der Schule – heute schon auf der Karriereleiter“ sieht man 5 junge Frauen um eine Leiter stehen und auf der Leiter stehen zwei junge Männer. Sicher man kann sich über den Negativpreis streiten und es gab auch schon sehr viel schlimmere Anzeigen von anderen Sparkassen. Unvergessen die „Männer haltet den kleinen Unterschied fest“-Kampagne oder die etwas unbekanntere O.B.-Werbung (Online Banking) auf Youtube.

Während nun Artikel über NSA, Polizeiwillkür, Kindergartenpolitik in der Hochschule und manch andere in meiner Timeline eher untergehen, gab es nun zur Leitergeschichte eine kleine Diskussion. Da ich keine Lust habe ewig lange Kommentare auf Facebook zu schreiben, werde ich mal an dieser Stelle ein paar der Argumente beleuchten von denjenigen, die über all die Aufregung nur den Kopf schütteln können.

„Wenn ich sowas lese frage ich mich immer ob dieses Land keine anderen Sorgen hat.“

Sicher hat dieses Land jede Menge Probleme und vermutlich auch dringendere. Aber was das Land für Probleme hat und was diskutiert wird muss nicht unbedingt Deckungsgleich sein. Mal ein paar Stichworte: „Veggy-Day“, Schwangerschaften von Promis und sonstiger Gossip, Transfers von Sportlern Fußballern, Slomka-Interview, Tatort. Das sind alles Dinge die Leute beschäftigt und über die man lange diskutieren kann, sofern man sich denn mit sowas auskennt. Dann schauen wir mal, wie viele Leute sich jenseits der Medien mit dem NSA-Skandal beschäftigen oder dem Mindestelohn oder der Asylproblematik. Da reicht oft schon ein Blick auf das Cover der Zeitung mit vier Buchstaben oder das Belauschen der Gespräche in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Auch bei SpiegelOnline findet man neben Nachrichten auch viele solcher Artikel. Natürlich gibt es andere Probleme und Sorgen aber in einem Land wo nachweislich gläserne Decken existieren und eine Frauenquote von 30% in Aufsichtsräten von DAX-Unternehmen als Meilenstein der Gleichberechtigung gefeiert wird, finde ich Sexismus und insbesondere Alltagssexismus ein durchaus wichtiges Problem als das Verhältnis von Becker zu Pocher und das hat eine eigene Gameshow zur besten Sendezeit.

Es fehlt eindeutig an “ Menschen mit Migrationshintergrund“ und anderen Gruppen. Ich bin sicher die Schaffer dieses Bildes wollten all diese Menschen bewusst diskriminieren.

Ja ich verwende auch gern Sarkasmus, aber das Argument scheint hier ja das Problem zu sein, dass wenn man eine Diskriminierung anprangert auch andere anprangern müsste. Frei nach dem Motto: „Wenn wir nicht alle Diskriminierungen gleichzeitig bekämpfen können, können wir es doch gleich lassen!“
Dem würde ich dagegen halten, dass man dann jeden Versuch unterlassen kann etwas zu verändern. Damit rechtfertigt man in gewisser Weise den Status Quo. Gleichzeitig betreibt das Argument klassisches Derailing, denn diese Frage war gar nicht gestellt. Wenn das Plakat aus einem Projekt von Azubis entstanden ist und diese selbst dort Modell gestanden haben, dann stellt sich doch erst einmal nur die Frage, wie die Anordnung von Männern und Frauen zu Stande gekommen ist unter Betrachtung der gezeigten Personen. Natürlich wäre eine heterogenere Gruppe noch freier von Diskrimierung und damit wünschenswerter aber das steht in dem Augenblick nicht zur Debatte.

Wenn wir anfangen jedes Plakat, jeden Werbespot usw. pausenlos kritisch zu hinterfragen wird uns der Blick fürs wesentliche verlorengehen.

Ich verweise kurz auf den Punkt „größere Probleme“ und stelle gleichzeitig die Frage, warum wir nicht alles kritisch hinterfragen sollten. Sollen wir Dinge hinnehmen, nur weil sie von einer Autorität vorgegeben werden? Oder weil die Masse der Menschen es als „normal“ empfindet? Früher war es Frauen gesetzlich verboten zu wählen und früher war es normal, dass ein Mann seine Frau wie einen Menschen zweiter Klasse behandeln darf. Das war sowohl vom Gesetz vorgegeben, als auch von der Masse der Gesellschaft so akzeptiert. Kant hat einmal geschrieben:

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Wohin sowas führt wenn man dazu nicht in der Lage ist sieht man an einigen Sinti und Roma die gegen den Namen Zigeunersoße geklagt haben, weil sie sich diskriminiert fühlten. [als Fortsetzung zum Argument]

In letzter Zeit gingen viele Meldungen durch die Medien. „Kinderbücher werden zensiert!“, „Berlin verbietet Weihnachten“, „Grüne wollen Zwangsvegetarismus“, „Kita schafft St. Martins-Fest ab!“, „Zigeunersoße soll umbenannt werden!“ In den meisten Fällen waren hier verfälschte Darstellungen, Unwissenheit und Sensationsgeilheit der Medien der Auslöser. Auch heute noch maulen viele darüber, dass man nun Schokoküsse sagt. Kleiner Hinweis, Sprache ist lebendig und sie kann sich verändern, sofern eine Bereitschaft dazu da ist. Gleichzeitig ist Sprache immer auch ein Werkzeug von Diskriminierung. Abgesehen davon finde ich nirgendwo, dass der Verein gegen den Namen geklagt hat, sondern dass er sich in einem Brief an die Lebensmittelindustrie gewandt hat. Aber wie geschrieben, die Berichterstattung bei all den genannten Fällen war eher dürftig. Hier noch das Interview mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Sinti und Roma, er sieht es gelassen, sagt aber auch, dass sich viele durch den Begriff diskriminiert fühlen. Mir persönlich wäre es relativ egal, ob ich nun mein Schnitzel mit Paprika-Soße, Pikanter Soße oder z.B. Ungarischer Soße würzen würde.

Die Frage nach dem Vorsatz

Es wurde eingeworfen, dass hier ja wohl kein Vorsatz herrschte. Das hat auch niemand behauptet. Menschen sind Spiegel ihrer Sozialisation und warum das Bild so gemacht wurde ist dabei eigentlich zweitrangig. Es transportiert aber eine unterschwellige Botschaft und die hätte man sehen können. Vielleicht standen die Männer auch ganz oben, weil ja Männer mutiger sind bei solchen Dingen? – Auch wenn das eher ein weiteres Klischee aufzeigen soll, kann das auf Grund der Sozialisation der Teilnehmer ja durchaus der Grund für diese Aufstellung gewesen sein. Fakt ist, wir wissen es nicht und es ist hier auch zweitrangig. Ich habe selbst schon einmal einen sexistischen Flyer entworfen. Das ist ewig her und damals kam die Idee ebenfalls von einer Frau und alle im Team fanden die Idee gut und witzig. Wir waren aber auch 16 und über den Flyer haben keine zwei leitende Angestellte drüber gesehen. Den Auszubildenden die vielleicht sogar die Idee hatten, würde ich da auch keinen Vorwurf machen, den Vorgesetzten aber schon.

Das ganze wurde doch sogar von zwei weiblichen Vorgesetzten mitgetragen.

Siehe vorheriges Beispiel. Gerade bei Werbekampagnen kommt dieses Argument immer wieder. Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass wir Dinge reproduzieren, die wir über unsere Umwelt wahrnehmen. In der Werbung ist das relativ einfach. Frauen sind in der Werbung zum Großteil ein Objekt, das mit sexuellen Reizen Aufmerksamkeit erzeugen soll. So ist es leicht zu erklären, dass Frauen in diesem Business auch auf diese Standardtechnik zurückgreifen. Warum hier nun die beiden weiblichen Vorgesetzten nicht interveniert haben ist unklar und wird wohl nicht zu ermitteln sein. Vielleicht haben sie selbst bisher keine derartigen Erfahrungen gemacht und deshalb kein Problembewusstsein dafür. Das spricht dann für die entsprechende Kreissparkasse und in einer perfekten Welt würde das gar kein Problem darstellen. Solange es aber gläserne Decken in einer Vielzahl von Unternehmen gibt (und ja es gibt auch vereinzelt gläserne Decken für Männer, aber es geht um das gesamtgesellschaftliche Konstrukt von Führungsebenen) ist die Außenwirkung eines solchen Plakats eben fragwürdig. Vielleicht wollten sie die Azubis auch keinen Dämpfer in ihrem Engagement verpassen, was leider an der Stelle wohl besser gewesen wäre. Wie gesagt man kann nur spekulieren. Dazu mehr im nächsten Punkt.

Die Leute haben Initiative gezeigt und dafür gibts dann nur Spott und Hohn. Werden sich die Leute, insbesondere die Jüngeren nochmal so engagieren oder werden sie beim nächsten Mal eher zurückstecken.

Und genau deshalb liegt das Versagen bei den Führungskräften. In Zeiten des Internets, wo ein Satz eines betrunkenen gut gelaunten Politikers über den Ausschnitt einer Reporterin eine wochenlange Debatte auslösen kann, sollten zumindest die Verantwortlichen ein Problembewusstsein entwickeln, um eine derartige Situation zu vermeiden. Ja so ein „Shitstorm“ kann extrem demotivieren, vermutlich noch viel mehr als ein Einwand zur Zeit des Entwurfs der Kampagne. Das ist aber die Aufgabe von Betreuern bei einer Ausbildung. Die Diskussionskultur bei solchen Themen ist oft unter aller Sau und das ist nicht schön zu reden. Auch dagegen gilt es anzukämpfen.

Ich für meinen Teil befürchte, dass es mir nicht gelingen wird, jede meiner Handlungen permanent zu reflektieren und mir Gedanken zu machen ob da irgendjemand in der Lage sein könnte da eine Form von Diskriminierung zu entdecken.

Im Groben und Ganzen könnte man dem zustimmen. Leider wird dieses Argument häufig als Entschuldigung verwendet, gar nicht über sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Niemand ist perfekt, aber das ist auch nicht der Anspruch hinter der Selbstreflexion, denn wenn man perfekt ist, braucht man sich ja nicht mehr verbessern. In einer perfekten Welt wäre das vielleicht möglich. Gleichzeitig birgt es aber die Gefahr des Stillstandes, denn ohne Reflexion keine Verbesserung und damit kein Fortschritt.

Fazit

Das Bild der Sparkasse war unglücklich gewählt, die Umstände sind für außen stehende nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Ob man das ganze mit einem Negativpreis würdigen muss, würde ich auch eher verneinen, dafür gab es in meinen Augen bessere Kandidaten, wie zum Beispiel den hier. Trotzdem ist Gleichberechtigung ein wichtiges Thema über das man kontrovers diskutieren kann und viele Argumente habe ich hier noch gar nicht aufgeführt.

[tl:dr]

Die Sparkasse macht ein schlechtes Recruiting-Plakat und es gibt einen Negativpreis. Auch wenn der Preis nicht unbedingt gerechtfertigt ist, sollte Kritik daran erlaubt sein. Wir können es ignorieren und alles beim Alten belassen oder wir können darauf reagieren. Ich entscheide mich für letzteres, weil man sonst auch alles so lassen kann wie es ist.

Spaß mit Windows-Install

Hier eine kurze Anleitung wie man in einem Dual-Boot-System mit Windows 7 und Debian Wheezy das Windows neu installieren kann, da ich neulich bei meinem Windows 7 einen BlueScreen of Death hatte, nachdem ich an der Registry geschraubt hatte.

Folgende Konfiguration soll am Ende erreicht werden:

  • SSD für Systempartitionen (60GB) – 30GB Windows 7, 30 GB Debian Wheezy
  • HDD für Userdateien (500GB) – 100GB Windows 7, 400GB Debian Wheezy
  • 8GB-RAM

Wenn man das Linux-System vorher ordentlich installiert hatte, ist bei der Neuinstallation von Windows nur folgendes zu beachten:

  1. Backup der Daten, zur Not mit einem Knoppix oder ähnlichem
  2. Installation von Windows per CD starten
  3. Bei der Partitionierungsabfrage nicht nur die bisherige Windows-Partition löschen, sondern auch die 100MB-Partition „System-reserviert“. Andernfalls hatte ich Probleme, die Windows-Installation durchzuführen (er hing immer nach dem Entpacken der Pakete fest). Sollte der Fehler immernoch auftreten, mit einem Linux-Live-System wie Knoppix booten und sowohl die Windows-System-Partition als auch die Windows-reserviert-Partition löschen.
  4. Als Benutzer am besten einen Namen nemen der abweichend von eurem späteren Namen ist, das erspart Arbeit beim Umzug der Nutzerdaten.
  5. Nach der Installation von Windows ist der Grub weg, darum kümmern wir uns später. Erst einmal passen wir Windows so an, dass wir genug Speicher auf der Systempartition haben.
  6. User-Daten umziehen: Dazu gibt es hier eine schöne Anleitung.
  7. Speicherabbild ausschalten: Da mein System mit 8GB RAM über genügend Speicher verfügen sollte, habe ich den virtuellen Arbeitsspeicher abgeschaltet, da dieser sonst 8GB Speicher belegt. Wie das geht wird hier erklärt. Wenn man mag, kann man dann noch einen virtuellen Arbeitsspeicher auf der größeren User-Partition anlegen, aber das kommt auf den vorhandenen Arbeitsspeicher und die Nutzung des Systems an. Sollte Windows häufiger an der Grenze der Kapazität des RAMs arbeiten, empfiehlt es sich unter Umständen.
  8. Hibernate ausschalten: Ich brauche die Funktion von Windows nicht und spare mir dadurch die Hybernate-Datei, die unnötig Platz wegnimmt. Dazu in der Kommandozeile von Windows (Ausführen->cmd) folgendes eingeben:
    powercfg -H Off
  9. Hier noch eine Anleitung, wie man sein Windows für SSDs optimiert. BITTE NIEMALS eine SSD Defragmentieren, das bringt nichts und sorgt nur für unnötige Schreibvorgänge, die die Lebenszeit der SSD verkürzen.
  10. Nun den Grub wieder herstellen. Dazu empfiehlt sich Ultimate Boot Disk. Dort könnt ihr unter HDD->Boot Management mit Super Grub Disk 2 euren alten Grub suchen und ins Linux booten.
  11. Im aktiven System den Grub neu installieren mittels (Anleitung):
    sudo grub-install /dev/sdX 
    sudo update-grub
  12. sdX ist dabei natürlich die SSD, bei mir sda, kann man zur Not in der Laufwerksverwaltung oder mit einem Tool wie GParted nachlesen
  13. Wenn ihr jetzt neu startet und im Grub das Windows auswählt kann es passieren, dass ein Fehler angezeigt wird, dass die Partition nicht gefunden wurde. Dann ist im Grub noch nicht die korrekte UUID eingetragen. Eventuell noch einmal
    sudo update-grub

    aus Linux ausführen. Weitere Infos dazu gibt es hier.

Bei mir läuft das ganze bisher stabil und schnell auch mit allen Updates. (Installation mit SP1 und dann alles bis zum 8.12.2013 mit optionalen Updates und Treibern) Nach allen Updates sind nun bei mir von den 30GB für das System noch 18GB frei. Wie man diese nutzt muss nun jeder für sich entscheiden.

Vielleicht schaff ich es irgendwann noch einen Artikel zu schreiben, wie man die Anfangskonfiguration erstellt, mit verschlüsselten LVMs für Wheezy auf der SSD und der HDD. Bisher fehlte mir immer die Zeit dafür.