Silvester in den Medien – ein Jahr nach Köln

silvester

Ich kann mich ja noch an Zeiten erinnern, da feierte man Silvester, hatte am ersten einen ordentlichen Kater und spätestens am zweiten Januar schon die erste Zigarette geraucht, obwohl man sich ja vorgenommen hatte, aufzuhören.
Dieses Jahr scheint das alles ein bisschen anders zu sein. Während medial gerade die Debatte um das Wort “Nafris” tobt, geht es in den sozialen Medien noch an vielen kleinen Nebenschauplätzen hoch her. Lautstark wird zwischen “Gutmenschen” und “Besorgten Bürgern” gestritten, wie nahe Silvester 2016/2017 wohl an 2015/2016 war, wenn es um Zuwanderung und Gewalt geht. Auf welche Weise dabei versucht wird von einigen Medien Stimmung zu verbreiten ist ein Lehrstück für Medienkompetenz. Ein Beispiel, dass mir jetzt seit Silvester mehrfach begegnet ist, sind die Zustände in Dortmund. Falls der ein oder andere es noch nicht mitbekommen hat, hier ein paar Auszüge von dem, was man so in den sozialen Medien dazu lesen kann:

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Quelle: Wochenblick.at

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Quelle: Unsertitol24.com

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Quelle: Metropolico.org

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Quelle: Politikstube.com

Was soll also passiert sein? In den meisten Fällen etwa diese drei Dinge:

  • Zusammenkommen von etwa 1.000 jungen Männern, hauptsächlich wohl arabischer Herkunft
  • Angriffe auf die Polizei
  • Brand einer Kirche
  • Rufe von “Allahu Akbar”

Klingt jetzt erstmal so, als ob 1.000 junge Männer arabischer Herkunft Polizei und Kirche angreifen und dabei “Allahu Akbar” rufen. Schaut man sich mal die größeren Medien oder noch besser die Pressemitteilungen der Polizei zu den Vorfällen an, wirkt alles eher unspektakulär.

Punkt 1 – 1.000 junge Männer, mit vermutlich arabischer Herkunft

Bei der größeren Gruppe handelte es sich nach jetzigen Erkenntnissen um circa tausend Menschen, die nicht ausschließlich aus Männern bestand sondern auch aus vielen Familien mit Kindern.
Quelle: Pressemitteilung Polizei Dortmund 01.01.2017 – 4:25 Uhr

In einer früheren Pressemitteilung war von mehreren hundert Männern die Rede, vielleicht mischten sich im Laufe der Berichte beide Meldungen?

Die Dortmunder Polizei hat im Laufe des Silvesterabends ihre ohnehin schon hohe Kräftelage noch einmal verstärkt. Grund hierfür sind mehrere hundert Männer, die sich zum Teil in Kleingruppen aber auch in größeren Gruppen am Platz von Leeds in der Dortmunder Innenstadt gesammelt haben.
Quelle: Pressemitteilung Polizei Dortmund 01.01.2017 – 0:03 Uhr

Auch in den Ruhrnachrichten finden sich diese Angaben:

Ab 23.45 Uhr versammelten sich mindestens 1000 überwiegend junge Männer am Platz von Leeds in der Dortmunder Innenstadt.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung 01.05 Uhr

Punkt 2 – Angriffe auf die Polizei

Aus dieser feiernden Gruppe [Anm.: bezogen auf Pressemitteilung 0:30] heraus wurden nach Mitternacht einzelne Feuerwerkskörper in Richtung eingesetzter Polizeibeamter und ungezielt in die Menschenmenge hinein geworfen. Diese Störungen unterbanden Polizeibeamte durch sofortiges und konsequentes Einschreiten. Personalien wurden festgestellt, Platzverweise erteilt und vereinzelt Personen in Gewahrsam genommen.

So schnell wie sich die Menschenansammlung gebildet hatte, löste sie sich auch wieder auf. Bereits vor 1 Uhr hatte sich die Menge wieder in Kleingruppen aufgeteilt über den Hauptbahnhof in unterschiedliche Richtungen begeben.
Quelle: Pressemitteilung Polizei Dortmund 01.01.2017 – 4:25 Uhr

Punkt 3 – Brand einer Kirche

In allen drei Pressemitteilungen [Abschlussmitteilung 01.01.2017 – 14:30 Uhr] der Polizei findet sich zum Brand der Kirche nichts. Schaut man in den Artikel der Ruhrnachrichten, die auch in einigen der Artikel aus den sozialen Medien verlinkt sind, findet sich folgendes:

Mit einer Drehleiter musste die Feuerwehr von der Kleppingstraße aus bis zum Dach der Kirche vorstoßen. Eine Silvesterrakete hatte dort ein Fangnetz eines Baugerüsts in Brand gesetzt. Ein kleines Feuer, das schnell gelöscht war. Vermutlich wurde die Rakete von der Kleppingstraße aus abgefeuert. Dort feierten ebenfalls viele Menschen.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung 01.05 Uhr

Während von der Menschenansammlung meist der Platz von Leeds genannt wurde, kam die Rakete vermutlich aus der Kleppingstraße. Die Kirche liegt genau dazwischen, hier nachzuschauen auf GoogleMaps.

Punkt 4 – Rufe von “Allahu Akbar”

Es gibt Videos auf denen junge Männer “Allahu Akbar” rufen. Weder der Polizei, noch den Ruhrnachrichten war dies eine besondere Erwähnung wert. Bei letzteren findet sich lediglich:

Eine Gruppe von Syrern feierte singend den Waffenstillstand in Syrien.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung 01.05 Uhr

Soviel zu den Dingen die sich aus den Pressemitteilungen der Polizei und dem Live-Bericht der Ruhrnachten finden lässt. Was in den sozialen Medien, zumindest bei mir noch nicht aufgetaucht ist, sind Berichte über einen schwerverletzten Obdachlosen, der von einer Rakete getroffen wurde. Über die durchaus aggressive Stimmung am Hauptbahnhof an diesem Abend berichtet ein Bundespolizeisprecher:

Polizisten und Reisende erlebten dort eine “aggressive Grundstimmung”, sagte Bundespolizeisprecher Volker Stall. Verantwortlich für diese gefährlichen Aktionen seien “junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund”. Polizisten und Passanten wurden mit Pyrotechnik beworfen.
Quelle: Ruhrnachrichten.de – Aktualisierung Montag, 11.23 Uhr


Nun zum Vergleich einige Textstellen aus den obigen Artikeln:

Überall im Land haben sich Nafris zu Banden von tausenden Männern organisiert, ohne dass die Polizei dies überhaupt mitbekommen hat: Aufmarschiert sind 2.000 Nafris in Köln und Düsseldorf, knapp 500 in Essen, 1.000 in Dortmund, die aus einem aggressivem Mob »Allahu Akbar« skandierten, Polizisten mit Feuerwerkskörpern attackierten und eine Kirche in Brand schossen, dazu 1.900 Nafris allein in Frankfurt und auch aus Hagen liegen Erkenntnisse vor.
Quelle: Metropolico.org

 

Dass dadurch auch die Reinoldikirche in Dortmund in Brand geraten war, weil sie von jungen Migranten mit Raketen beschossen worden war, wurde von den Ruhrnachrichten allerdings nur beiläufig erwähnt. So hieß es im Live-Ticker weiters:

Am Platz von Leeds dauerte das Feuerwerk gut 45 Minuten, obwohl das Abbrennen von Pyrotechnik in unmittelbarer Nähe von Kirchen verboten ist. Dort steht die Reinoldikirche. Mit einer Drehleiter musste die Feuerwehr von der Kleppingstraße aus bis zum Dach der Kirche vorstoßen. Eine Silvesterrakete hatte dort ein Fangnetz eines Baugerüsts in Brand gesetzt.

Laut Angaben der Ruhrnachrichten wollte die Redaktion die Sache nicht weiter aufbauschen. Darauf war lautstarke Kritik von Internet-Nutzern laut geworden, die sich darüber beschwerten, dass ein Kirchenbrand dadurch beschönigt werde.

[…]

Zu einem weiteren Aufreger kam es wenig später, als hunderte Syrer die Silvester-Feierlichkeiten für politische Zwecke nutzten, um den syrischen Waffenstillstand zu feiern. Dabei skandierten mehrere junge Männer den islamischen Schlachtruf „Allahu akbar“.

Wie in einem Twitter-Video zu sehen ist, musste die Polizei mit geschlossenen Helmen anrücken, da die Situation als sehr gefährlich eingeschätzt wurde.

Den Ruf „Allahu akbar“ bringen sehr viele Europäer mit den schrecklichen Terror-Ereignissen von Islamisten des sogenannten Islamischen Staates in Verbindung.
Quelle: Unsertirol24.com

 

Die Polizei forderte die Menge auf, Böller und Raketen nicht in die Menschenmenge abzufeuern.“ Bei dem Mob von „mindestens 1000 überwiegend jungen Männern“ handelt es sich größtenteils um Migranten, wie auch die Fotostrecke der Ruhrnachrichten beweist. Diese hätten die Polizeikräfte gezielt mit Feuerwerkskörpern beworfen, meldet der Fernsehsender WDR.
[…]
Mit einer Drehleiter musste die Feuerwehr von der Kleppingstraße aus bis zum Dach der Kirche vorstoßen. Eine Silvesterrakete hatte dort ein Fangnetz eines Baugerüsts in Brand gesetzt.“ Die Ruhrnahrichten sind bemüht die Sache nicht zu sehr aufzubauschen: „Ein kleines Feuer, das schnell gelöscht war.“ Internet-Nutzer sind aufgebracht, kritisieren etwa: „Jedes Feuer ist anfänglich ein kleines Feuer. Dieses wird ein großes Feuer, wenn es nicht schnell gelöscht wird! Wie kann man Brandstiftung bei einer Kirche nur so beschönigen …“
[…]
Die Polizei, die bei diesen Feierlichkeiten Sicherheitsausrüstung und Helme mit geschlossenem Visier trägt, dürfte die Lage etwas anders beurteilt haben. Der Ruf „Allahu Akbar“ ist in Europa in erster Linie als Schlachtruf von Islam-Terroristen bekannt. So sollen stets die Attentäter von München, der Axt-Terrorist von Würzburg oder die Priester-Mörder von Frankreich „Allahu Akbar“ gerufen haben, bevor sie Menschen töteten.
Quelle: Wochenblick.at

 

Etwa 1000 Personen hatten sich zu diesem Zeitpunkt am „Platz von Leeds“ zwischen Brückstraße und Reinoldikirche versammelt, fast ausnahmslos junge Männer mit Migrationshintergrund aus dem arabischen bzw. nordafrikanischen Raum, wie eine Fotostrecke der „Ruhr Nachrichten“ belegt. – Diese hätten die Polizeikräfte gezielt mit Feuerwerkskörpern beworfen, meldet der Fernsehsender WDR.
[…]
Bilder zeigen, wie behelmte Polizeihundertschaften einer hektischen Situation gegenüberstehen, zahlenmäßig deutlich unterlegen. Mittendrin: Zahlreiche Syrer, welche die Fahne der Terrororganisation „Freie Syrische Armee (FSA)“ zeigen. Laut Presse feiern sie angeblich den Waffenstillstand, tatsächlich zeigt ein Video, das Journalist Peter Bandermann [Anm. hier der Link, nicht im Artikel] über seinen Twitter-Kanal veröffentlicht, jedoch die bedrohliche Lage eine aufgeheizten Menge, dicht umringt von Polizeibeamten, die nicht nur ihre Helme aufgesetzt, sondern auch die Visiere heruntergeklappt haben – mutmaßlich in Erwartung (weiterer) Angriffe. Dass die Dortmunder Reinoldikirche mit Feuerwerk beschossen wurde und die Feuerwehr eingreifen musste, wird von den Ruhrnachrichten nur beiläufig erwähnt.
Quelle: Politikstube.com

Ich lasse diese Ausführungen einfach mal so stehen, ohne im Detail darauf einzugehen. Die Originaltexte sind ja verlinkt.

[Update 04.01.2017 – 22:10 Uhr]

Gerade noch eine Darstellung gefunden:

In Dortmund brannte das Gerüst einer Kirche
In Dortmund versuchten sich rund 1000 missgelaunte Feiergäste in einer Neuauflage des Kölner Chaos von 2015. Sie lieferten sich Kämpfe mit der Polizei, Feuerwerkskörper setzten das Gerüst der Reinoldikirche in Brand, Feuerwehr und Rettungskräfte wurden behindert und der IS-Schlachtruf „Allahu akbar!“ skandiert.
Lokale Medien deuteten all das als Festfreude über den Waffenstillstand im syrischen Bürgerkrieg. Mit demselben Recht kann man sagen, dass sich rabiate Bräuche in Europa durchzusetzen beginnen und neue Mitbürger am gregorianischen Kalender rituell austesten, wem der öffentliche Raum gehört.
Quelle: Welt.de

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