Ich kann Kanzler? – Na und?

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich eine Mail bekam, ich könne mich doch auf Grund meiner Vergangenheit bei der Show “Ich kann Kanzler!” beim ZDF bewerben. Eine Sendung, in der das ZDF Jugendliche auf den Geschmack von Politik bringen will, indem es das Format der Castingshow übernimmt? Das kann doch nur schlecht sein, dachte ich mir damals und lies die Mail im Mülleimer verschwinden.

Durch Zufall las ich dann vorgestern ein Interview mit diesem Kandidaten Jacob Schrot aus Brandenburg, in der Berliner-Zeitung und mir wurde schlecht. Ich habe schon viel zu oft solche Parteisoldaten kennen gelernt, als dass ich denen irgend etwas abkaufen würde. Andererseits erinnert mich die Begeisterung, mit der er sich engagiert ein wenig an meine eigene Zeit des politischen Engagements. Also beschloss ich mir diese Sendung einmal anzuschauen.

Das erste Problem war etwas über die Sendung zu erfahren, liebes ZDF, ich weiß, das Internet ist nur bedingt euer Spielplatz, aber wenn wir schon GEZ-Gebühren für eine solche Sendung und eine solche Webpräsenz ausgeben, dann sorgt bitte dafür, dass man, wenn man nach Infos zur Vorentscheidung sucht, nicht als erstes ein Formular findet, wie man bei dem ganzen Spaß mitmacht. Und mal ganz nebenbei, Videos sind toll usw. aber ich bin ein Vertreter vom geschriebenen Wort und das findet man relativ schwer und was man findet ist eher nichtssagend.

Nachdem die Webseite eher wenig Infos brachte, habe ich mir mal ein paar Minuten die Sendung angesehen, es war die Dokumentation über die Vorentscheidung. Da saßen dann Anke Engelke, Günther Jauch (Besitzer der Produktionsfirma der Show) und Henning Senf seines Zeichens ehemaliger Bürgermeister in Bremen. Klar kennt doch jeder Jugendliche, aber wenigstens einer der Ahnung von Politik in dieser Jury hatte.

Aber dann kam ja erst das Beste, im alten Plenarsaal in Bonn (wozu wird der eigentlich noch gebraucht?) saß dann die Jury und die Juristen mussten sich in ein paar Minuten mit ihren Ideen vorstellen.

Da war dann wieder mal alles dabei, der typische Neureiche CSU-Sohn, der mit 25 zwei Autohäuser leitet und sich trotzdem für die Gesellschaft einsetzen will, der 30jährige Sozialarbeiter der fordert, dass in Deutschland die Bundestagsabgeordneten und der Kanzler direkt vom Volk gewählt werden (diesen kleinen Fehler mit den Direktmandaten können wir ihm sicher verzeihen, wenn wir wissen, dass Merkel einmal meinte, sie wäre das deutsche Staatsoberhaupt) und die über 30jährige Hartz IV-Empfängerin mit 4 Kindern. Dazu noch eine aktive Junge Frau, einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, der Shootingstar Jacob und einen Referenten eines SPD-Politikers (mein Favourit).

Die Beiträge der Kandidaten waren übliche Seifenblasen-Phrasen, da war kein Unterschied, ob die von Jungen Leuten (ich finde übrigens 40 ist nicht mehr unbedingt jung) gehalten werden oder von anderen Politikern. Es wurden schöne Allgemeinplätzchen verteilt, vieles wurde gefordert aber Finanzierungen? Fehlanzeige! Die Jury eher inaktiv, begnügte sich auf ja oder nein und es viel auf, dass Senf fast immer genau das Gegenteil von Jauch und Engelke votierte. Anfangs wollte man Entscheidungen nicht begründen, hielt sich dann aber selbst nicht an diese Abmachung. Die Argumente waren dann aber so nichtssagend wie die Vorstellung der Kandidaten.

Alles in allem ist für jede Zielgruppe was dabei, allerdings kaum für den normalen Jugendlichen.

FAZIT:

Nette Idee, schlecht umgesetzt. Die Beiträge der Kandidaten bestechen durch eien Oberflächlichkeit sondergleichen und ein teilweise großes Unwissen über die politische Struktur der BRD. Versuche das ganze menschlich, emotional darzustellen scheitern grandios (Engelke rannte einmal einer Kandidatin hinterher, die weinen musste, nach der Entscheidung).
Sehr schön ist auch der “Hauptgewinn” der Sendung, ein Monatsgehalt von Frau Merkel (bleibt die Frage, ob mit oder ohne Nebentätigkeiten, ohne liegt das bei: 14893,25 Euro brutto, plus 1022,58 Euro Dienstaufwandsentschädigung und 810,24 Euro Ortszuschlag) und einem Praktikum “im Zentrum der Macht”, laut Zeit.de werden es 16.000€.

Also kann man sich für das Geld, für das man beim Kandidaten der CSU aus Hintertupfingen nicht einmal einen neuen Sportwagen leisten und was ein solches Praktikum sein wird, findet man auch nirgendwo (schön, dass bei Suchen zu solchen Dingen die Seite vom ZDF so gut wie nie in Google auftaucht).

Also noch einmal ganz deutlich:

Liebes ZDF bitte unterlasst solche Versuche in Zukunft und spart mein GEZ Geld! Die Leute die ihr erreichen wollt, finden es unattraktiv, da wenig Action und Emotionen wie bei Bohlen und die Leute, wie mich, die sich für Politik interessieren und das eine gute Idee finden, schauen es sich nicht an, weil es einfach nur wieder einmal sinnloses Phrasendreschen ist und das kann ich bei Maischberger jeden Tag sehen!

You may also like...

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *